The Mad Foxes -aka- Los Violadores (1981)
Der 18. Geburtstag! Das ist ein Grund zum Feiern und für eine Jungfrau ein gutes Datum um die Unschuld zu verlieren. So ist zumindest der Gedanke des Mädchens namens Babsi, dass mit Hal in dessen Stringray durch die Gegend fährt. Er hat ihr versprochen sie heute zur Frau zu machen. Doch auf dem Weg in die nächste Disco um sich Mut für die Defloration an zutrinken kommt es zu einem Streit mit einer Band von Motorradrockern. Beim anschließenden Rennen hat einer der Biker einen Unfall.
Davon lassen sich Hal und seine kleine Freundin aber nicht den Abend verderben. In der Bar, trinkt man gepflegt Champagner, sieht den anderen Gästen beim Tanzen zu, debattiert über den Schmerz, den man beim ersten mal verspürt und knutscht hemmungslos rum. Richtig schön betrunken wollen die beiden nach Hause fahren.
Daraus wird aber nichts, da die Rocker auftauchen. Über den Unfall ihres Freundes sind diese ganz und gar nicht begeistert. Ihnen steht der Sinn nach Rache. Sie verprügeln Hal, reißen seiner kleinen Freundin die Kleider vom Leib, vergewissern sich, dass sei tatsächlich noch Jungfrau ist und vergewaltigen sie dann.
Jetzt ist natürlich Hal auf Rache aus. Von seiner Wohnung aus (in der goldene Schallplatten an der Wand hängen) ruft er einen Kumpel in dessen Karateschule an. Mit Hilfe von dessen Jungs will er es den Bikern heimzahlen. Tatsächlich stürmt Hal am Abend mit einer Gruppe Karatekids das Amphitheater in dem die Biker eine Trauerfeier für ihren, beim Unfall verunglückten Freund abhalten. Die Kampfkunstschüler vermöbeln die Rocker nach Strich und Faden und lassen deren Anführer einer Spezialbehandlung zu Teil kommen. Auf Hals Wunsch kastrieren sie ihn und stopfen ihm, sein abgeschnittenes Gemächt in den Mund.
Nach soviel Gewalt gönnt sich Hal erst einmal eine Liebesnacht mit einer schönen Unbekannten. Die Karatetypen trainieren derweil in ihrem Club und bekommen Besuch von der Motorradgang. Diese hat aufgerüstet und bringt Handgranaten und Maschinengewehre mit. Die Sportler haben keine Chance, das Blutbad zu überleben und die Rocker machen sie im Anschluss auf die Suche nach Hal.
Nachdem die Rocker den Bewacher von Hals Tiefgarage erschossen haben, kann Hal dank der Hilfe eines kleinen Jungen fliehen und der Band nach einer wilden Verfolgungsjagd tatsächlich entkommen.
Derweil ist ein Nudistenpärchen am Strand mit sich selbst beschäftigt. Wobei die beiden eher eine lockere Bindung haben. Den nachdem Hal auftaucht, lässt (die inzwischen wieder bekleidete Silly) ihren Typ stehen und fährt mit Hal davon. Der will auf dem Anwesen seiner Eltern endlich Ruhe vor den Motorrad Rowdys finden. Und es scheint so, als würde ihm das gelingen. Er kann das gute Essen genießen Silly verführen, Sex in der Badewanne mit ihr haben, mit ihr Jagen gehen und ausreiten und dabei Sex im Freien haben und seine Problem natürlich vergessen.
Doch die Motorradfahrer spüren Hal und seine Stingray auf. Den Gärtner seiner Eltern töten sie, indem sie ihm seine Heckschere in den Mund stoßen und auch die Lebenserwartung der übrigen Menschen im Haus sinkt rapide mit dem Auftauchen der Gang. Sie erschießt die Köchin, den Vater sowie die im Rollstuhl sitzende Mutter und schlitzt das Küchenmädchen auf.
Hals Laune ist als Folge des Massakers natürlich getrübt. Er setzt sich in seine Stingray und macht sie auf die Suche nach den Rockern. In einer Bar wird er fündig. Die Kellnerin (mit dem tiefen Dekolletee) will ihm zwar nichts sagen, aber auf dem Klo der Kneipe entdeckt ein Mitgleid der Bande. Hal schießt ihm zuerst in die Hand und sprengt ihn dann mit einer Handgranate, die er ins Klo schmeißt in die Luft.
Den zweiten Motorradfreund trifft er auf einem Schrottplatz an. Doch dieser sucht sein Heil in der Flucht und wird erst , nach einer Verfolgungsjagd, von Hal aus dem fahrenden Wagen heraus, erschossen.
Rocker Nummer drei ist derweil bei einer blonden Nazi Domina (ob sie rein zufällig Ilsa heißt, wird glaube ich nicht erwähnt) beschäftigt. Auf dem Weg zu dieser kann er quasi en passant einen weiteren Rocker töten. Die Nazidomina muss im Anschluss genau wie ihr Kunde dran glauben.
Zu guter Letzt fährt Hal in seine Wohnung. Sein Rachfeldzug ist vorbei. Doch in seiner Wohnung wartet nicht nur Babsi, sondern auch der der Rocker Eunuch mit einer Bombe. Diese zündet er, alle sterben und der Film ist aus!!!
Ein gigantisches Meisterwerk! The Mad Foxes spielt in einer Liga mit Filmen wie „Buio Omega“ -aka- „Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf“ oder auch „Riffs III – Die Ratten von Manhatten“. Wie überlebensgroß der Film ist, lässt sich schon daraus herleiten, dass es nahezu unmöglich ist, ihn einem konkreten Genre zuzuordnen.
Auf Grund der Tanzszene zu beginn, ist es ein Tanzfilm wie Dirty Dancing oder Flashdance. Ein Rocker- oder Bikerfilm ist es auf jeden Fall. Wobei er auch ein Autofilm und Actionfilm ist, allein schon auf Grund der vielen Verfolgungsjagden. Viel mehr ist es noch ein Rape and Revange Film wie beispielsweise der Genreklassiker „Day of the Woman“ -aka- „I Spit on Your Grave“. Die Rache wird hier sogar zum Teufelskreis aus dem niemand entkommen kann und der am Ende alle ins Unglück treibt. In diesem Sinne ist „The Mad Foxes“ fast schon griechische Tragödie! Weiterhin kann man von einem Sexfilm sprechen. Zwar ist Babsis Vergewaltigung eher Sexploitation, aber da der ganze Film Exploitation in seiner reinster Form ist, stört das nicht weiter. Hals Geliebte die nur eine Sexszene mit ihm hat, genauso wie die späteren Sexszenen mit Silly lassen aber eindeutig auf Sexfilm schließen. Wobei man hier unterscheiden muss. Die Szene mit seiner unbekannten Geliebten verwendet einen leichten Weichzeichner und erinnert so eher an David Hamilton, während Sillys Szene am Strand Anklänge an den klassischen Nudistenfilm enthält. Ab und zu gleitet der Film sogar in den Bereich der Slapstickkomödie ab und wenn eine junge Frau aufgeschlitzt wird, ist das eindeutig Splatter, was man theoretisch dem Horrorgenre zuordnen kann.
Auch wenn man die schwierige Einordnung von „The Mad Foxes“ vernachlässigt bleibt der Film eine Perle des Exploitation. Der Chef der Rocker trägt SS-Mütze und am Ende ein Outfit was irgendwie stark an die NSDAP erinnert. Der Rest der Truppe trägt zu Beginn rote Armbinden mit einem weißen Kreis, in dem gegen Ende des Film Hackenkreuze auftauchen. Die Kammer der Nazi Domina ist ebenfalls mit Hakenkreuzen und Hitlerbild geschmückt.
Neben den Nazielementen sorgt natürlich die Action für Spaß. Die Verfolgungsjagden werden teilweise in doppelter Geschwindigkeit abgespielt, und auch die Kampfszene mit den Karate Kämpfern hat einen gewissen Trash Faktor. Genau so wie die extrem übertriebene Gewalt, die selbst für Exploitation bemerkenswert ist. Unter den Blutbad und Massakerszenen ist besonders die Erschießung der alten Frau im Rollstuhl erwähnenswert.
Die Schauspieler bemerkt man eigentlich gar nicht bei so viel Brillanz, die der Film ausstrahlt. Hauptdarsteller José Gras scheint nur über eine Mimik zu verfügen, aber hat immerhin keine all zu schreckliche Frisur (Anfang der 80er gab es da schlimmeres). Die Schauspielerinnen sehen nackt alle ganz nett aus und erfüllen demzufolge ihren Zweck. Ansonsten ist Eric Falk als Stileto zu bewundern, wobei man ihn eigentlich kaum wiedererkennt, da er einen Schnurrbart trägt und eine ungewöhnliche Frisur hat, die man aus seinen Rollen in Jess Franco Filmen nicht kennt.
Produzent des Spektakels war übrigens Erwin C. Dietrich höchst persönlich. Peter Baumgartner, der oft mit ihm zusammengearbeitet hat, machte diesmal nur unter Pseudonym mit. Was Regisseur Paul Grau betrifft – dieser hat eine recht interessante Vita. Auf dem Regiestuhl saß er nach „The Mad Foxes“ nur noch bei „Sechs Schwedinnen auf der Alm“. Jedoch war er Location Manager bei Frauengefängnis von 1975 und Schauspieler in Gefangene Frauen von 1980 sowie dem Film Lost in the Barrens.
Quentin Tarantino versucht vielleicht solche Filme wie „The Mad Foxes“ zu kopieren, aber wer dieses Original gesehen hat, wird verstehen, was authentisches Kino bedeutet und was wirklich große Kunst ist.
Categories: Action und Abenteur, Erotikfilm Sexfilm Sexploitation Sleaze, Exploitation, Filmblog, Filmkritik und Review, Genres, Horror, Komödie, Thriller Tags: B-Movie, Eric Falk, Erwin C. Dietrich, Meisterwerk, Rache, Trash
Requiem (2006)
Die aus einer erzkatholischen Familie stammende Michaela (Sandra Hüller) macht den großen Sprung aus der Provinz nach Tübingen um dort ihr Lehramtsstudium aufzunehmen. Dieses geschieht gegen den Willen ihrer Mutter, die Angst wegen „ihrer Sache“ hat. Michaela leidet nämlich unter einer Epilepsie, gegen die es noch keine funktionierende Therapie zu geben scheint. In Tübingen selbst verläuft der Weg der jungen Frau soweit ganz gut. Sie freundet sich mit einer Kommilitonin aus ihrem Heimatdorf an und findet ihre erste Liebe. Doch erst auf einer Wallfahrt und dann später im Studentinnenwohnheim, bekommt sie wieder einen Anfall und ist nicht mehr in der Lage das Kreuz oder den Rosenkranz zu berühren. Sie sucht Hilfe beim Pfarrer ihres Dorfes, der ihre Visionen für ein weltliches Problem hält und ihr ebenso wie ihr Freund und ihre beste Freundin rät zum Arzt zu gehen. Aber durch die vielen Jahre der erfolglosen Therapieversuche hat Michaela jede Hoffnung auf Heilung durch die Schulmedizin und die Psychologie aufgeben. Als es über Weihnachten zum Streit mit der Mutter kommt, die dem Feiheitsstreben der Tochter skeptisch gegenübersteht und sie vom jungen Pfarrer Borchert (Jens Harzer) darin bestärkt wird, ihr Problem hätte etwas mit Dämonen zu tun, setzt sie ihre Medikamente ab, was ihren Zustand so stark verschlechtert, dass sie am Ende einem Exorzismus zustimmt, an dessen Folgen sie stirbt.
Requiem ist KEIN Film über einen Exorzismus. Der Film endet genau vor dem eigentlichem Exorzismus und man bekommt nur an einer Stelle kurz den Beginn der Teufelsaustreibung zu sehen. Am ehesten kann man die Szene in der Michaela Suppe ausspuckt noch als kleine Anspielung auf der Exorzist verstehen. Ansonsten hat der Film das an den Folgen des Exorzismus sterbende Mädchen zum Thema und erzählt wie es dazu kommen konnte. Dabei wird schnell klar, dass Michaela nicht vom Teufel besessen ist und vielmehr professionelle Hilfe bräuchte. Sie sucht aber statt dessen Hilfe bei der Kirche und vertraut fest auf die Heiligen, Gott und Gebet. Eigentlicher Auslöser für die Katastrophe ist aber nicht Michaelas Glaube an sich, sondern vielmehr der Konflikt mit ihrer Mutter, die nicht zulassen will, dass sich ihre Tochter in Form von Sexualität und auch Mode der modernen Welt öffnet. So bestätigt sie indirekt Michaelas Dämonenglaube. Anders der Vater, der versucht seine Tochter zu unterstützen, aber am religiösen Wahn, den Borchert immer weiter anstachelt scheitert. Requiem ist also eher ein Familiendrama über das Erwachsenwerden einer jungen Frau, die mit sich selbst in Konflikt steht. Dieser Konflikt äußert sich im Gegensatz Provinz gegenüber Universitätsstadt, Familie gegenüber Liebhaber und Freundin und schließlich Religion und Glaube gegenüber einem aufgeschlossenerem Weltbild. Wobei Michaelas Glaube selber nie schlecht gemacht wird. Sie versucht noch Kraft daraus zu schöpfen, aber am Ende nicht in ihrem Gottvertrauen gebremst, welches schließlich zu ihrem Tod führt.
Die Schauspieler in Requiem überzeugen größtenteils, auch wenn Sandra Hüller in der Szene in der sie nicht in der Lage ist, dass an der Wand hängende Kreuz zu berühren und deshalb mit der Hand davor zurückbleibt irgendwie ein wenig lächerlich aussieht. Dass mag aber daran liegen, dass der Film sich halt komplett unmystisch gibt. Mir persönlich hat Karl Klingler (Hardenberg aus „Die fetten Jahre sind vorbei“) als Michaelas Vater sehr gut gefallen.
Was Requiem außerdem besonders sehenswert macht, ist seine Optik. Das Bild wirkt durch seine grobe Körnung 70er Jahre authentisch und auch Kostüme und Drehorte sorgen für eine Atmosphäre jenseits des heute beliebten 70er Kitsches. Alles ist eher bedrückend und trist gehalten und der stets graue Himmel vermittelt sorgt dafür, dass diese Totenmesse einen mit einer doch recht beklemmten Stimmung aus dem Kino gehen lässt, auch wenn die Schlussinformation irgendwie überflüssig erscheint.
Categories: Drama, Filmblog, Filmkritik und Review, Genres, Horror Tags: drogenfilm, Meisterwerk
