Lauf um Dein Leben – Vom Junkie zum Ironman (2008)
Andreas und seine Kumpels Motte, Kurt und Ismail kiffen wie bekloppt und sind auch allen anderen Drogen nicht abgeneigt. Wenn ihnen das Geld für neuen Stoff ausgeht, gehen sie „Shoppen“. Darunter versteht die Clique nichts anderes, als sich im großen still als Ladendiebe zu betätigen. Bei einer dieser Shoppigntouren trifft Andreas die hübsche Blondine Sabine. Seine Annähungsversuche, bleiben jedoch ohne Erfolg. Auch als er sie auf eine Drogentrip in Amsterdam wiedertifft, will sie nichts von ihm wissen.
Erst eine überaus peinliche Karaokenummer und der überaus romantische Einbruch in eine Go-Kartbahn lässt das Eis schmelzen. Sex, Drugs and Rock n’Roll sind für Andreas dann schlagartig vorbei, als er Sabine schwängert. Obwohl er immer gegen seine spießige Familie rebelliert hat, wünscht er sich jetzt seine eigene kleine Familie. Außer seinem Kumpel Motte, kann Andreas Clique dem neuen Lebe ihres Freundes etwas Gutes abgewinnen. Doch als Motte die Hochzeit sprengt verstößt der Bräutigam seine alte Crew.
Anfangs kommt er gut und seine Freunde und das gelegentliche Joint rauchen aus. Aber als ihm das Spießerleben zu langweilig wird, kehrt er räumutig zu seinen Freunden zurück. Diese träumen jedoch nicht mehr davon ihren alten Bus wieder flot zu machen, um damit nach Australien und Amerika zu touren, sondern sind inzwischen auf Heroin umgestiegen. Auch Andreas beginnt damit sich das Zeug zu spritzen und verliert so langsam die Kontrolle über sein Leben.
Die Teufelsspirale der harten Drogen beginnt sich mit der Zeit immer schneller zu drehen. Andreas beginnt damit Sabine zu belügen, bestiehlt seinen Arbeitgeber und verliert sie schließlich sowohl seine Job, als auch seine Frau. Kurts Freundin, die ebenfalls ein Junky ist, stirbt sogar an einer Überdosis was Kurt so fertig macht, dass er in Psychatrie landet. Ismail versucht derweil ohne das Wissen seiner Freunde sein Glück als Dealer, was ihm Ärger mit der örtlichen Türkenmafia beschert. Seine Landsleute verstehen bei Konkurrenz keine Spaß, schneiden ihm einen Finger ab und sorgen dafür, dass Ismail mit seiner Familie zurück in die Türkei geht. Schließlich sind von den einst vier Freunden nur noch Motte und Andreas übrig. Motte sieht aber keinen Sinn mehr darin weiter zu machen und setzt sich den goldenen Schuss.
Nun wird Andreas klar, dass auch er nicht mehr lange zu leben hätte, wenn er weiter Heroin abhängig bleibt. Er kehrt in den Schoss seiner Familie zurück, beginnt einen Entzug und beginnt schließlich mit seinem alten Trainer aus Jugendtagen damit, sich auf den Ironman Triathlon auf Hawaii vorzubereiten.
Trainspotting, Requiem for a Dream und Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo haben eigentlich das meiste gesagt was man in einem Drogenfilm sagen kann. Und gerade weil das so ist und man Lauf um Dein Leben – Vom Junkie zum Ironman nun mal in den direkten Vergleich zu diesen Filmen setzen muss, hat er keine Chance. Das liegt neben der Tatsache, dass man alles irgendwie schon mal gehört zu haben schient, vor allem daran, dass der Absturz in die Drogenhölle zu bieder und dröge inszeniert ist. Eine Freakshow wie in Trainspotting oder eine Horrorachterbahnfahrt wie in Requiem for a Dream wären zwar fehl am Platz, aber fürs Kino reicht das was Lauf um Dein Leben – Vom Junkie zum Ironman bietet einfach nicht aus.
Wäre es ein Tv-Film, dann müsste man ihn als durchaus solide bewerten. Was den Film vor der totalen Bedeutungslosigkeit rettet sind zum einen die Schauspieler und zum anderen die menschlichen Momente. Axel Stein spielt zwar doch irgendwie eine typische Axel Stein Rolle, aber mit dme großen Unterschied, dass es eine ernste Rolle ist, in der er wirklich überzeugt. Auch Robert Gwisdek ist als Pete Doherty Imitat durch aus sehenswert. An den Anblick von Hauptdarsteller Max Riemelt gewöhnt man sich hingegen nur schwer.
Categories: Drama, Film, Filmkritik und Review, Genres Tags: deutscher Film, drogenfilm
Dealer (2004)
Dealer ist keiner dieser lustigen Drogenfilme, die bunte Drogentrips und durchgeknallte Figuren zeigen. Wer das sucht sollte sich lieber Trainspotting, Human Traffic, Fear and Loathing in Las Vegas oder Spun ansehen. Der ungarische Film „Dealer“ ist weder bunt noch lustig. Und unterhaltsam ist er auch nicht.
Der Film zeigt das Leben eines Dealers der routiniert mit seinem weißem Fahrrad von Kunde zu Kunde fährt und ihnen ihren Stoff bringt. Zu den Kunden gehören die verschiedensten Menschen mit den unterschiedlichsten Schicksalen.
Ein Religionsführer, braucht harte Drogen als Abführmittel. Eine Junkybraut eröffnet dem Dealer, er sei Vater ihrer kleinen Tochter, der er sich daraufhin annimmt. Ein Mann der auf im Solarium eingeschlafen ist und dessen Haut jetzt völlig verbrannt ist, bittet den Dealer um den „Goldenen Schuss“ um nicht weiter Leiden zu müssen. Eine Studentin ruft den Dealer, da ihre Mitbewohnerin, nachdem sie Pilze genommen hat einen tagelangen Anfall hat.
Schließlich besucht der Dealer auch seinen Vater. Für ihn ist der Ort der Erinnerung an seine Frau das Loch im Beton, dass sie einst mit ihrem Körper dort hinein schlug, als sie aus einem Hochhaus stürzte.
Story technisch hat Dealer eigentlich nichts zu bieten. Um die einzelnen Episoden zu erzählen braucht man gewiss keine 130 Minuten. Weiterhin fragt man sich mit der Zeit, warum Regisseur Benedek Fliegauf denn in jeder Szene eine extrem langsame Kamerafahrt um die Person, die gerade im Bild ist, machen muss. Das nervt irgendwann, egal wie künstlerisch wertvoll man das findet. Und leider sind auch die oft monologartigen Dialoge so öde, dass man das Interesse verliert. Viele der Schauspieler sagen (gewollt oder ungewollt) ihren Text eher auf, als das sei wirklich Schauspielern.
Wenn man darüber hinweg sieht und sich nicht daran stören lässt, dass der Film eindeutig viel zu lang ist kann der eingefleischte Cineast Dealer doch irgendwie genießen. Die farblosen, tristen Farben spiegeln das Innere der Figuren nach Außen und auch wenn die beklemmende Atmosphäre übertrieben stark in Szene gesetzt ist, gefällt Dealer zumindest visuell (Vielleicht war ich auch einfach nur froh ein ruhiges Bild zu sehen, da mich Michael Bay zuvor mit „Die Insel“ mehr als nur gefoltert hat). Interessant ist noch die Soundkulisse des Films. Dumpfe Hintergrundgeräusche, von denen man nicht weiß woher sie kommen oder dass immer gleiche Gestöhne eines Drogenopfers geben den Bildern die nötige, bedrohliche Untermalung. Hier stand eindeutig David Lynch Pate, wobei Dealer nie dessen Klasse erreicht.
Mir persönlich hat der Film gegen Ende immer besser gefallen. Gerade der Auftritt des alten Mannes, der eine Märchen über den Tod erzählt und die Vorfreude, dass der Film bald vorbei sein würde, haben wohl dafür gesorgt.
Categories: Drama, Film, Filmkritik und Review, Genres Tags: dealer, drogenfilm, ungarn
Kifferwahn -aka- Reefer Madness: The Movie Musical (2005)
1936. Irgendwo in einer amerkanischen Kleinstadt wird ein Vortrag über die neuste Droge gehalten, die eine Gefahr die Kinder der Nation darstellt. Das Marihuana, Haschisch. Der Film erzählt den zuerst ungläubigen aber dann verstörten Eltern die Geschichte von Highschool Schüler Jimmy Harper (Christian Campbell) der vom Marihuana Dealer Jack in seine Haschisch Hölle gelockt wird und dort extrem süchtigen Kiffer wird. Die Droge lässt ihn sogar seine Vorzeigefreundin Mary Lane vergessen und ihn immer weiter im Sumpf aus Sex, Drogen, Anarchie und unchristlicher Musik versinken lässt.
Im wirklichen Jahre 1936 entstand in den USA der Antidrogen Propaganda Film Reefer Madness, welcher im Großen und Ganzen die gleiche Geschichte erzählt wie diese Neuverfilmung als Musical. Dabei wird der Anti Drogenfilm von damals natürlich kräftig durch den Kakao gezogen. Alle Schauspieler betreiben übelstes Overacting und geben ihren Klischee Rollen schon Anfang an die nötige Unernsthaftigkeit. Der Film lebt aber vor allem von seinen kleinen besonders lustigen Szenen und Anspielungen. Da werden anders denkende direkt als Kommunisten verunglimpft, Babys als Delikatessen an Asiaten verkauft oder der Arme Jimmy hat Halluzinationen von Menschenfressenden Muscheln auf seinen Trips. Was weit aus weniger Spaß macht, sind leider die verschiedenen Lieder. Diese wirken zu konventionell und ihnen fehlt die Liebe wie sie Musicalfilme wie „Cannibal –the Musical“, „Rocky Horror Picture Show“ oder „Little Shop of Horror“ in ihren Songs versprühen. Die Tänze zu den Liedern sind da schon wesentlich besser. Da gibt es mal eine Hommage an alte schwarz weiß Zombie Filme, mal eine wilde Sado Maso Sexorgie und auch mal eine Gastauftritt von Jesus. Er Horrorfilm wird besonders gegen Ende als Vorbild genommen, wenn blutverschmiert, dass Herz des Dealers herausreißt und ein Kiffer mit Fressflash zum Kannibalen wird und die sexy Saly verspeist. Sexappeal hat der Film im Ganzen eine gehörige Portion. Während der Tanznummern wurde eher an Stoff gespart und nicht an lasziven Gesten. Wobei während Sexszenen alle Teilnehmenden noch bekleidet sind, was noch einmal eine Anspielung auf den Orginalfilm von 1936 ist. Ob Kifferwahn das Zeug zum Kultfilm hat, würde ich an dieser Stelle anzweifeln. Es gibt zwar jede Menge Kifferspaß, aber da die Lieder und kleine Längen zwischen den geilen Stellen zu viel Tempo rausnehmen, dürfte er wohl einen Teil der Zielgruppe zu stark verschrecken. Wer jedoch die Albernheit des Films ertragen kann und damit umgehen kann, wird auf jeden Fall seinen Spaß an Kifferwahn haben.
Categories: Film, Filmkritik und Review, Genres, Komödie Tags: drogenfilm
Requiem (2006)
Die aus einer erzkatholischen Familie stammende Michaela (Sandra Hüller) macht den großen Sprung aus der Provinz nach Tübingen um dort ihr Lehramtsstudium aufzunehmen. Dieses geschieht gegen den Willen ihrer Mutter, die Angst wegen „ihrer Sache“ hat. Michaela leidet nämlich unter einer Epilepsie, gegen die es noch keine funktionierende Therapie zu geben scheint. In Tübingen selbst verläuft der Weg der jungen Frau soweit ganz gut. Sie freundet sich mit einer Kommilitonin aus ihrem Heimatdorf an und findet ihre erste Liebe. Doch erst auf einer Wallfahrt und dann später im Studentinnenwohnheim, bekommt sie wieder einen Anfall und ist nicht mehr in der Lage das Kreuz oder den Rosenkranz zu berühren. Sie sucht Hilfe beim Pfarrer ihres Dorfes, der ihre Visionen für ein weltliches Problem hält und ihr ebenso wie ihr Freund und ihre beste Freundin rät zum Arzt zu gehen. Aber durch die vielen Jahre der erfolglosen Therapieversuche hat Michaela jede Hoffnung auf Heilung durch die Schulmedizin und die Psychologie aufgeben. Als es über Weihnachten zum Streit mit der Mutter kommt, die dem Feiheitsstreben der Tochter skeptisch gegenübersteht und sie vom jungen Pfarrer Borchert (Jens Harzer) darin bestärkt wird, ihr Problem hätte etwas mit Dämonen zu tun, setzt sie ihre Medikamente ab, was ihren Zustand so stark verschlechtert, dass sie am Ende einem Exorzismus zustimmt, an dessen Folgen sie stirbt.
Requiem ist KEIN Film über einen Exorzismus. Der Film endet genau vor dem eigentlichem Exorzismus und man bekommt nur an einer Stelle kurz den Beginn der Teufelsaustreibung zu sehen. Am ehesten kann man die Szene in der Michaela Suppe ausspuckt noch als kleine Anspielung auf der Exorzist verstehen. Ansonsten hat der Film das an den Folgen des Exorzismus sterbende Mädchen zum Thema und erzählt wie es dazu kommen konnte. Dabei wird schnell klar, dass Michaela nicht vom Teufel besessen ist und vielmehr professionelle Hilfe bräuchte. Sie sucht aber statt dessen Hilfe bei der Kirche und vertraut fest auf die Heiligen, Gott und Gebet. Eigentlicher Auslöser für die Katastrophe ist aber nicht Michaelas Glaube an sich, sondern vielmehr der Konflikt mit ihrer Mutter, die nicht zulassen will, dass sich ihre Tochter in Form von Sexualität und auch Mode der modernen Welt öffnet. So bestätigt sie indirekt Michaelas Dämonenglaube. Anders der Vater, der versucht seine Tochter zu unterstützen, aber am religiösen Wahn, den Borchert immer weiter anstachelt scheitert. Requiem ist also eher ein Familiendrama über das Erwachsenwerden einer jungen Frau, die mit sich selbst in Konflikt steht. Dieser Konflikt äußert sich im Gegensatz Provinz gegenüber Universitätsstadt, Familie gegenüber Liebhaber und Freundin und schließlich Religion und Glaube gegenüber einem aufgeschlossenerem Weltbild. Wobei Michaelas Glaube selber nie schlecht gemacht wird. Sie versucht noch Kraft daraus zu schöpfen, aber am Ende nicht in ihrem Gottvertrauen gebremst, welches schließlich zu ihrem Tod führt.
Die Schauspieler in Requiem überzeugen größtenteils, auch wenn Sandra Hüller in der Szene in der sie nicht in der Lage ist, dass an der Wand hängende Kreuz zu berühren und deshalb mit der Hand davor zurückbleibt irgendwie ein wenig lächerlich aussieht. Dass mag aber daran liegen, dass der Film sich halt komplett unmystisch gibt. Mir persönlich hat Karl Klingler (Hardenberg aus „Die fetten Jahre sind vorbei“) als Michaelas Vater sehr gut gefallen.
Was Requiem außerdem besonders sehenswert macht, ist seine Optik. Das Bild wirkt durch seine grobe Körnung 70er Jahre authentisch und auch Kostüme und Drehorte sorgen für eine Atmosphäre jenseits des heute beliebten 70er Kitsches. Alles ist eher bedrückend und trist gehalten und der stets graue Himmel vermittelt sorgt dafür, dass diese Totenmesse einen mit einer doch recht beklemmten Stimmung aus dem Kino gehen lässt, auch wenn die Schlussinformation irgendwie überflüssig erscheint.
Categories: Drama, Film, Filmkritik und Review, Genres, Horror Tags: drogenfilm, Meisterwerk