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Der Formel 1 Film

„Dieser Film sollte laut vorgeführt werden!“ heißt es direkt zu beginn des Films und wer jetzt schon überzeugt ist ein Meisterwerk vor sich zu haben sollte erstmal die nächste Szene abwarten. Denn es gibt definitiv keine bessere Methode einen Film zu beginnen, als die Hauptdarstellerin sich ausziehen und unter die Dusche gehen zu lassen. Die junge Dame heißt übrigens Tina und hofft auf ihren großen Durchbruch im Musikgeschäft. Aus eben diesem Grund fährt sie mit ihrer Yamaha zu den Studios in dem die legendäre Musikshow Formel 1 aufgezeichnet wird. Nur leider interessiert sich der Produzent nicht wirklich für ihr Demotape. Aber sie ist nicht die einzige die Schwierigkeiten hat. Die Toten Hosen lässt man erst gar nicht ins Studio. In diesem gibt es inzwischen das Problem, dass die 3. Sängerin der Flurs nicht zu finden ist. So wird einfach Tina in ein weißes Hemdchen gesteckt und soll sie doubeln. Ihr Auftritt dauert leider nur sehr kurz, da auf einmal die toten Hosen ins bild laufen und die Aufnahme versauen („Seht ihr eigentlich immer so aus“). Jetzt taucht auch endlich der dritte Flur auf und die Show kann weiter gehen. In dem ganzen Chaos überspielt dann dummerweise des Assistent Stevie zu allem Üerfluss ihr Demotape.

Wer jetzt schon denkt die Story sie irgendwie hirnlos und ein wenig konfus, der irrt. Es wird noch viel besser. Aber was erwartet man schon anderes, bei einem film zur Show? Filme zu Serien ist man ja gewöhnt und man versteht auch, dass sich niemand den Reibach der damit zu machen ist entgehen lassen will, aber ein film der hinter den Kulissen einer Fernsehshow spielt ist echt mal etwas Außergewöhnliches. Die weite Story ist zwar eher Nebensache, aber trotzdem wirklich erzählenswert. Tina wird, da sie Meat Loaf davon abhalten kann seine Garderobe weiter auseinander zu nehmen Starbetreuerin bei Formel 1 und kommt letzten Endes doch mit Stevie zusammen. Der wiederum scheitert kläglich dabei ausgemustert zu werden und muss später zum Bund. Zu dem ist da noch der schmierige Produzent Plattenproduzent und Halbkriminelle Jimmy, der erst Tina in sein „Porno“ -Schlafzimmer lockt und später noch Tinas Freundin Suzy fies verarscht.

Ich habs gesagt: Story ist bei diesem Meisterwerk von Wolfgang Büld, der seit Penetration Angst einer meiner absoluten Lieblingsregisseure ist, geht es am wenigsten um die Story. Der Film lebt von seinem schrillen 80 Jahre Design (wobei die damals wohl wirklich in pinken Leggins rum gelaufen sind), seiner Musik, den Gastauftritten der Stars und von seiner lockeren Art, die dafür sorgt, dass der Film nie zu professionell wirkt. Zudem ist es eine wahre Freude zu sehen wie jung z.B. Ingolf Lück und die toten Hosen mal waren. Diese haben sogar mehrer Auftritte die jedes mal für Lacher sorgen. Sie haben immer ihren Manager dabei, der den Style der „Men in Black“ und Agenten aus „Matrix“ vorweg genommen zu haben scheint und werden von ihm immer neu Kostümiert um möglichst den neuesten Trend zuvor zu kommen. So stecken die Punker im Film in den schrillsten Kostümen, von Surfern, über Kannibalen bis hinzu einem Auftritt als Village People Kiss Heavy Metall Verschnitt. Ebenfalls kultig ist, wie die Fünf versuchen im Fitness Center sportlich attraktiv für die Fans zu werden oder wie sie alle bei Tina zu Hause sitzen während ihr Vater, der doch so gerne modern seien will, versucht mit seinem Topmodernen Computer den nächsten Trend zu ermitteln. Ihren besten Auftritt haben sie jedoch, als sie das Auto des Formel 1 Regisseurs als Werbegag zu Kleinholz verarbeiten, was sie zwar um ihren auftritt in der Sendung bringt ihnen aber einen Werbevertrag eines amerikanischen Autoherstellers besorgt. „Evan Krauts cannot Beat American Cars!“

Aber auch andere Stars und 80er Jahre Sternchen haben ihre Auftritte. Hier sticht besonders Falco hervor, der sich einfach perfekt selbst spielt und seinen Hit „Rock me Amadeus“ zum Besten gibt.

Wie sehr dieser Film unsere Kultur geprägt hat sieht man sehr schön an der Szene, in der Tina und Stevie in ein paar Eimern Farbe landen. Man erkennt direkt dass die Macher von „Gina Wild“ diese Idee für ihre Filme von hier abgekupfert haben!

Cool sind auch die Szenen in denen man sich der Einrichtung des Bavaria Filmparks bedient. So wird der Steinbeißer aus der unendlichen Geschichte gezeigt, eine Verfolgungsjagd durch die Kulisse von das Boot gemacht und die (von der Bundswehr beschlagnahmt) Bimmelbahn fährt durch eine Faust Produktion.

Für eher unfreiwillige Komik ist auch immer dann gesorgt, wenn Tina mit den Stars versucht Englisch zu sprechen. Sie zieht sich leider im weiteren Verlauf nicht mehr aus, was dem dem Film nur gut getan hätte, trägt aber durch ihre schauspielerische Leistung enorm zur Atmosphäre des Films bei!

 

Abschließend muss ich sagen, dass der Film wirklich Kultcharakter hat und von jedem 80er Jahre, Formel 1 und Toten Hosen Fan gesehen werden sollte. Er macht einfach Spaß und unterhält bestens auch durch die gute Musik!

Be the first to comment - What do you think?  Posted by admin - März 23, 2005 at 11:50 am

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Die fetten Jahre sind vorbei

Der Gedanke, dass jemand fremdes während man selbst im Urlaub oder anderweitig außer Haus ist, in eben dieses einbricht ist nun wirklich nicht gerade schön. Aber eben eine solche Szenerie bildet den Einstieg zu die fetten Jahre sind vorbei. Doch die heimkehrende Familie bemerkt schnell, dass es sich bei den Einbrechern nicht um normale Diebe handelt. Es fehlt nämlich nichts im Haus. Die Möbel wurden lediglich umgestellt, die wertvollen Porzellansoldaten im Klo versenkt und die Stereoanlage im Kühlschrank deponiert. Wer so einen Scheiß macht und dann auch noch einen Brief mit dem Inhalt „Die fetten Jahre sind vorbei“ im Haus hinterlässt erfährt der Zuschauer jedoch recht schnell. Es ist das Werk von Peter und Jan, zwei unverbesserlichen Weltverbesserern. Wenn diese nicht gerade in Villen einbrechen und dort für Chaos sorgen, versuchen sie die Arbeitsplätze von Kindern in der dritten Welt zu zerstören indem sie versuchen die Leute davon zu überzeugen nicht die von ihnen gefertigten Markensportschuhe zu kaufen. Naja, wenn man sonst nichts besseres zu tun hat ist das ja auch ihr gutes recht. Dritte im Bunde ist Jule, Peters Freundin. Diese ist gerade zu ihm gezogen, da sie aus ihrer Wohnung geflogen ist. Jule hat nämlich ein kleines Geldproblem, da sie einem reichen Bonzen 100.000 Euro schuldet, da sie schuld an einem Unfall mit dessen Wagen war. Als Peter dann nach Spanien fliegt und Jule nicht mitkommen kann, da sie noch ihre alte Wohnung renovieren muss, kommen sich Jan und sie näher. Nachdem die Wohnung jedoch eher verwüstet wurde und Jule ihren Job in einem Nobelrestaurant verloren hat nimmt er sie mit auf eine kleine Observationstour um neue Villen auszukundschaften. Dabei landen sie irgendwie in der Villa von Hadenberg, der reichen Bonzen dem Jule das Geld schuldet. Dummerweise werden sie später von eben diesem überrascht und entführen ihn spontan mit Peters Hilfe in eine kleine Hütte in den Alpen.

„Wer unter 30 nicht links ist hat kein Herz und wer mit über 30 immer noch links ist hat keinen Verstand!“ Mit diesem Satz von Hardenberg kann man den Film am besten beschreiben. Es geht um diese jungen Menschen die meinen noch Ideale zu haben und von sich und ihrer Sache überzeugt zu seien scheinen. Sie glauben an das was sie tun und möchten die Welt verbessern. Aber mit der Entführung Hardenbergs werden die drei zurück in die Realität geschleudert. Dieses Verbrechen verstößt sogar gegen ihren linken Codex, aber sorgt letzen Endes doch für Einsicht bei ihnen. Als Langsam durchsickert, dass Hardenberg auch mal Ideale hatte und genau wie seine ganze Generation ein kleiner Revoluzzer war, beginnen Peter, Jan und Jule über das was sie tun nachzudenken. Dabei wird aber schnell klar, dass Hardenberg ihnen als gescheiterter Linker überlegen ist. Er argumentiert sie einfach mit allem was er sagt zu Boden und ist spätestens ab dem Augenblick, an dem er quasi die Führung in der Gruppe übernimmt, indem er vor einem Wanderer Jan als seinen Sohn ausgibt das Maas aller Dinge. Als schöne Metapher für den Verrat der Ideale kann man zudem die Tatsache sehen, dass Jan und Jule am Ende doch hinter Peters Rücken zusammenkommen. Wobei es überaus amüsant ist, dass Hardenberg in diesem Zusammenhang von freier Liebe spricht; ein Begriff mit dem Peter nun mal gar nichts anfangen kann. Das sich Jan und Jule verlieben würden und das Peter Jule nicht wirklich liebt stand zwar vom Anfang des Films an fest, aber das dieses hinter seinem Rücke geschieht ist genau so eine Form von Doppelmoral wie Hardenbergs Einstellung. Genau diese ist auch am Ende das größte Ergebnis des Films. Ihm nimmt man nämlich eigentlich ab, dass er wirklich aus seiner Entführung etwas gelernt hat und dass die Erinnerung an seine alten Tage wirklich etwas in ihm bewegt hat. Dass er am Ende trotz der Verbundenheit zu seinen Entführern (Stockholm-Syndrom hin oder her), diese anzeigt passt einfach nicht und macht eher den Eindruck als habe man versucht auf Teufel komm raus noch politisch korrekt zu sein. Ich persönlich hätte mir ein Ende gewünscht in dem man nach einem Zeitsprung von 30 Jahren sehen würde, dass die drei Rebellen nun ebenfalls Spießer geworden sind und ihre Ideale verkauft haben. Aber der Film wollte uns wohl die Illusion nicht nehmen, dass es tatsächlich so was wie Ideale gibt und das es sich lohnt an diese zu glauben!

Be the first to comment - What do you think?  Posted by admin - Februar 5, 2005 at 12:00 am

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