Wrong Turn
Irgendwo in einem idyllischen Stückchen Wald ist ein wirklich hübsches junges Pärchen dabei eine Feldwand hoch zu klettern. Dieser kleine sommerliche Ausflug endet jedoch damit, dass irgendjemand oder irgendetwas den beiden die Klettertour auf tödliche weise versaut. Es ist zwar irgendwie schade um das Mädel in ihrem doch recht engen Sport BH, aber die Szene hat doch den Vorteil, dass man nun weiß dass es in dem Film wohl doch um Mord und Totschlag geht. Und wenn man ganz ehrlich ist ging die junge Frau und mit ihrem Geschrei und Gestöhne doch recht schnell auf die Nerven.
Es folgt ein recht schön gemachter Vorspann in dem der aufmerksame Zuschauer mitbekommt, dass man sich in den Bergen West Virginias befindet, dass jede menge Leute vermisst werden oder spurlos verschwunden sind. Zudem sieht man noch so etwas wie komisch verstümmelte Menschen und ein bisschen blutiges Metzgerwerkzeug.
Nachdem nun allen klar ist, was hier so abläuft, geht’s endlich richtig los. Der Gutaussehende überaus charmant wirkende Chris, fährt durch die immer noch sonnigen Wälder des immer noch wahnsinnig schönen West Virginias. Da der gute es eilig hat zu einem Vorstellungsgespräch zu kommen, beschließt er sich nicht von der auf Grund eines Tankwagenunfalls gesperrten Strasse aufhalten zu lassen, lieber einen kleinen Umweg durch den Wald zu nehmen. Dem guten bleibt eigentlich auch nichts anderes übrig, da sein Handy keinen Empfang mehr hat und der einzahnige Mann an der Tankstelle irgendwo in der Pampa nur ein kaputtes Münztelefon hat. Da Chris jedoch völlig hin und weg von der wunderschönen Umgebung ist, baut er im folgenden jedoch zu allem Überfluss noch einen Unfall mit dem Van einer Gruppe gut aussendender junger Leute. Man einigt sich schnell darauf, dass drei von ihnen mit Chris irgendwo Hilfe suchen gehen und die restlichen zwei zu kiffen und zu poppen bei den Autos bleiben wollen. Spätestens jetzt dürften selbst Skeptiker überzeugt sein, dass es sich hier doch um einen Horrorfilm handelt und jeder der sich im Genre auskennt kann erraten wer das erste Opfer wird. Bevor jedoch der Typ auf einmal verschwindet und sie Stacheldraht durch den Mund gezogen bekommt, darf man sich noch an ihrem Ausschnitt erfreuen. Aus der sechser Gruppe ist also ganz schnell eine vierer Party geworden, die wesentlich mehr Überblick bietet. Für die tiefen Einblicke ist ab sofort Carly zuständig die die meiste Zeit damit verbringt mit ihrem Freund ihre Hochzeit zu planen. Pessimisten könnten an dieser Stelle einwerfen, dass Leute die große Zukunftspläne schmieden nie lange überleben. Wer sich aber schon auf das nächste Blutgemetzel (tolles Wort) gefreut hat, wird bitter enttäuscht. Satt dessen gibt es eine klassische Carly verschwindet plötzlich und erschreckt ihren armen Freund Szene. Nachdem die vier dann noch eine Weile durch den Wald gelaufen sind findet sich eine Hütte mitten im Wald. Hier findet sich zwar weder das verhoffte noch die Toilette für Carly. Stattdessen finden die vier jede Menge eingelegte menschliche Körperteile im Kühlschrank. Dummerweise kommen gerade in diesem Augenblick die Hausbesitzer zurück. Diese doch etwas arg missgebildet aussehenden (oder wirken die nur so weil die andern so gut aussehen) Hinterwäldler zerstückeln zuerst die bereist getötete Freundin und halten dann ihren Mittagsschlaf, welcher den immer noch im Haus versteckten Helden die Möglichkeit bietet zu fliehen. Von nun an werden sie aber von den Drei missgebildeten Kannibalen durch den Wald gejagt was nicht alle überleben werden.
Ich hoffe ich habe nicht zuviel verraten. Aber eigentlich fängt der Spaß jetzt erst so richtig an. Denn die Gruppe zeigt bei ihrem Überlebenskampf die spezielle Horrorfilmintelligenz. Pausen zur völlig falschen Zeit und bescheuerte Ablenkungsmanöver sind dabei nur die kleinsten Fehler. Außerdem fragt man sich warum Carly überhaupt durchs Schlüsselloch zugeguckt hat wie ihre Freundin in Einzelteile zerhackt wurde. Wenn sie damit ein Problem hat, hätte sie doch mal besser die Augen zu gemacht. Richtig lustig wird das ganze, nachdem die Sonne untergegangen ist. Zwar wird die inzwischen noch weiter dezimierte Gruppe immer noch verfolgt, aber das hindert sie nicht daran, den zufällig im tiefsten Wald stehenden Holzturm taghell und von weither sichtbar zu erleuchten. Wie dieser Turm dahin gekommen ist und warum er so perfekt mit Verbandszeug, Funkgerät und Leuchtstäben ausgestattet ist sollte man am besten nicht fragen. Der film hat seine ihm eigene Logik. Diese äußert sich später noch darin, dass trotz Verfolgung durch die Kannibalen bis zum nächsten Morgen geschlafen werden kann und dass Hinterwälder von jetzt auf gleich ihre Gewohnheit ändern ihre Opfer nicht direkt zu töten, sondern sie erst bei sich in der Hütte ans Bett zu fesseln (Dabei steckt noch nicht mal eine sexuelle Motivation dahinter).
Die unfreiwillige Komik des Films wird zudem noch dadurch unterstützt, dass überhaupt keine Atmosphäre aufkommt. Die Wälder West Virginias wirken einfach zu idyllisch als dass eine blutige Hetzjagd da hinein passen könnte. Auch wenn dieser Kontrast gewollt seien sollte erzeugt der Film wenig Spannung. Die Brutalität und Gewalt im Film ist jedoch für einen Hollywood Mainstreamfilm ganz akzeptabel auch wenn nichts wirklich unter die haut geht. Aber das einfache Strickmuster hilft doch letzten Endes dabei, die Botschaft des Film hinüberzutragen („nimm dich in acht vor Hinterwäldlern!“ oder so). Der Film ist bestimmt kein Meisterwerk des Horrorkinos. Eher eine amerikanische Variante von „Antropophagus“ in soft und auf amerikanisch. Aber der Film stellt auch gar nicht den Anspruch ungeheuer neuartig zu sein. Dies wird auch klar wenn an einer Stelle „Beim Sterben ist jeder der Erste“ von 1972 erwähnt wird, bei dem es auch schon darum ging, dass der moderne Mensch sich besser vor dem Hinterwäldler in Acht nehmen sollte.
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