Dealer (2004)
Dealer ist keiner dieser lustigen Drogenfilme, die bunte Drogentrips und durchgeknallte Figuren zeigen. Wer das sucht sollte sich lieber Trainspotting, Human Traffic, Fear and Loathing in Las Vegas oder Spun ansehen. Der ungarische Film „Dealer“ ist weder bunt noch lustig. Und unterhaltsam ist er auch nicht.
Der Film zeigt das Leben eines Dealers der routiniert mit seinem weißem Fahrrad von Kunde zu Kunde fährt und ihnen ihren Stoff bringt. Zu den Kunden gehören die verschiedensten Menschen mit den unterschiedlichsten Schicksalen.
Ein Religionsführer, braucht harte Drogen als Abführmittel. Eine Junkybraut eröffnet dem Dealer, er sei Vater ihrer kleinen Tochter, der er sich daraufhin annimmt. Ein Mann der auf im Solarium eingeschlafen ist und dessen Haut jetzt völlig verbrannt ist, bittet den Dealer um den „Goldenen Schuss“ um nicht weiter Leiden zu müssen. Eine Studentin ruft den Dealer, da ihre Mitbewohnerin, nachdem sie Pilze genommen hat einen tagelangen Anfall hat.
Schließlich besucht der Dealer auch seinen Vater. Für ihn ist der Ort der Erinnerung an seine Frau das Loch im Beton, dass sie einst mit ihrem Körper dort hinein schlug, als sie aus einem Hochhaus stürzte.
Story technisch hat Dealer eigentlich nichts zu bieten. Um die einzelnen Episoden zu erzählen braucht man gewiss keine 130 Minuten. Weiterhin fragt man sich mit der Zeit, warum Regisseur Benedek Fliegauf denn in jeder Szene eine extrem langsame Kamerafahrt um die Person, die gerade im Bild ist, machen muss. Das nervt irgendwann, egal wie künstlerisch wertvoll man das findet. Und leider sind auch die oft monologartigen Dialoge so öde, dass man das Interesse verliert. Viele der Schauspieler sagen (gewollt oder ungewollt) ihren Text eher auf, als das sei wirklich Schauspielern.
Wenn man darüber hinweg sieht und sich nicht daran stören lässt, dass der Film eindeutig viel zu lang ist kann der eingefleischte Cineast Dealer doch irgendwie genießen. Die farblosen, tristen Farben spiegeln das Innere der Figuren nach Außen und auch wenn die beklemmende Atmosphäre übertrieben stark in Szene gesetzt ist, gefällt Dealer zumindest visuell (Vielleicht war ich auch einfach nur froh ein ruhiges Bild zu sehen, da mich Michael Bay zuvor mit „Die Insel“ mehr als nur gefoltert hat). Interessant ist noch die Soundkulisse des Films. Dumpfe Hintergrundgeräusche, von denen man nicht weiß woher sie kommen oder dass immer gleiche Gestöhne eines Drogenopfers geben den Bildern die nötige, bedrohliche Untermalung. Hier stand eindeutig David Lynch Pate, wobei Dealer nie dessen Klasse erreicht.
Mir persönlich hat der Film gegen Ende immer besser gefallen. Gerade der Auftritt des alten Mannes, der eine Märchen über den Tod erzählt und die Vorfreude, dass der Film bald vorbei sein würde, haben wohl dafür gesorgt.
Categories: Drama, Filmblog, Filmkritik und Review, Genres Tags: dealer, drogenfilm, ungarn
