Zieh dich aus Puppe (1968)

18 Jahre jung und damit 1968 noch nicht volljährig erlebt Marianne einen rasanten Abstieg. Der Liebesurlaub mit ihrem Verlobten endet darin, dass dieser sie verlässt. Der Ingenieur ohne Diplom hatte sich Hoffnung auf eine Anstellung in der Fabrik von Mariannes Vater gemacht und lässt das Mädchen nach der Drohung des Vaters es zu enterben einfach sitzen. Ohne Geld in den Taschen landet Marianne schließlich im Nachtclub Moulin Rouge. In diesem Stripclub spielt sich das ein oder andere menschlich Schicksal ab.
Da ist die Medizinstudentin, die dort nur arbeitet um ihr Studium zu finanzieren und als einzige “Dame” nicht mit den Gästen trinken, oder gar aufs Zimmer gehen muss. Oder eine Stripperin die süchtig nach Heroin ist und hohe Schulden bei Clubbesitzer Micky hat. In dessen Bett landet Marianne schließlich nachdem dieser sie betrunken gemacht hat. Sie kehrt ins Moulin Rouge zurück, flieht aber aus Mickys Bett ins Bett einer lesbischen Barfrau. Ein Umstand der ihre eigentliche Liebhaberin, die zweite Chefin des Lokals gar nicht erfreut. Zudem gibt es als humoristische Einlageden Geschäftsmann, der eine der Damen des Hause als seine Verlobte ausgeben will, um seinen Vorgesetzten bei einer anstehenden Inspektion abzulenken. Eine andere Dame treibt ihren Liebhaber durch teure Geschenke in den Ruin und am Ende fast in den Selbstmord. Die Dame, in die sich ein anderer Gast verliebt, lehnt dessen Angebot ihn zu heiraten, das Moulin Rouge zu verlassen und eine bürgerliche Existenz aufzubauen ab. Sie bezahlt ihren Wunsch danach dem sündhaften Leben treu zu bleiben mit dem Leben, als sie an einen Frauenhasser gerät, der sie erwürgt nachdem er seiner Aufforderung Zieh dich aus Puppe nicht nachkam.
Nachdem Marianne zuerst im Lokal bleiben wollte, bringen einige der Frauen sie dazu, schließlich doch mit ihrem, inzwischen verständigten Vater heimzukehren. Sie ist inzwischen süchtig nach Mickys Marihuana Zigaretten und erkennt das für sie der Weg nur abwärts gehen kann, wenn sie bleibt. Zu guter letzt wird Micky bei der versuchten Vergewaltigung seiner Geschäftspartnerin verhaftet.
Als Zieh dich aus Puppe 1968 entstand. Also kurz bevor die deutsche Sexfilm Welle richtig begann. Dieses merkt man dem Film durchaus an. Zwar liegt immer ein Hauch Erotik in der Luft, aber dumpfe Fleischbeschau gibt es hier nicht. Nackte Brüste gibt es nicht in Nahaufnahme und oftmals werden sie auch durch im Vordergrund drapierte Gegenstände verdeckt. Regisseur Ákos Ráthonyi drehte also keinen Sexfilm. Der Ungarn war laut Wikipedia einmal (liberal)katholischer Priester und greift in Zieh dich aus Puppe tief in die Moralkiste. Das Mädchen aus gutem Hause kehrt in den Schoss der bürgerlichen Welt zurück. Die Frau, die die Ehe als Ausgang aus dem unmoralischen Leben ablehnte, bezahlt dafür mit dem Tod. Dahingegen ist die keusche Medizinstudentin die bürgerlicher heilige im Sündenpfuhl.
Dümpelt der Film über weiter Strecken etwas vor sich hin, bietet zumindest das Ende eine gute Portion Exploitation. Die obligatorische humoristische Einlage ist zwar nicht sonderlich originell, aber dafür auch nicht so platt wie man es aus den Sexkomödien der Folgejahre gewöhnt ist.
Interessant ist der Film übrigens auch aufgrund des 60er Jahre Dekor.
Und dass Zieh dich aus Puppe tatsächlich eine 18er Freigabe hat, ist einerseits ein schlechter Scherz und andererseits natürlich die beste Werbung für den Film.

Das Opening des Films: