Roja Oriental (2009)

Tunesien: Lilia, eine Hausfrau in den besten Jahren, lebt seit dem Tod ihres Mannes ein eher langweiliges Leben. Ihr Alltag besteht aus Putzen, Stricken und Kochen. Natürlich hat sie auch ein Auge fast erwachsene Tochter Salma, die lieber mehr Freiheit hätte und statt dessen gerne auf Mamis selbst gestrickte Pullover verzichten würde. Lilia vermutet indes, dass Salma eine Beziehungmit dem Musiker Chokie haben könnte. Als ihre Tochter eines Nachts nicht nach Hause kommt, sucht sie das Tanzvarietee auf, in dem dieser arbeitet und entdeckt eine völlig neue Welt.
Sie ist schockiert und fasziniert von dem Etamblisment in dem bei heißen, arabischen Rhythmen Bauchtänzerinnen die Hüften kreisen lassen. Angetrieben von größtenteils männlichen Zuschauern. Obwohl sie bei ihrem ersten Besuch dort in Ohnmacht fällt, kehrt sie zurück und schlüpft eines Nachts selbst in eines der glitzernden Bauchtankostüme. Ehe sie sich versieht steht sie selbst auf der Bühne und tanzt ekstatisch.
Lilia schließt Freundschaft mit einer anderen Bauchtänzerin und lässt sich von ihr in die Geheimnisse der Bauchtanzkunst einweisen. Der Tanz erweckt ihre Lebensgeister und Lilia beginnt ihr (Doppel)Leben zu genießen. Sie kauft neue Schuhe, legt sich einen jugendlichen Haarschnitt zu und erweckt schließlich auch das Interesse Chokris an ihr. Dieser weiß natürlich nicht, dass Lilia die Mutter seiner Freundin ist.
Roja Oriental erzählt die Geschichte der Geschichte der einsamen, gelangweilten Witwe, die zurück ins Leben findet. Zuschauern die nicht mir der arabischen Welt, vertraut sind, wird der Film vermutlich etwas irritieren. Denn Roja Oriental hat wenig mit westlichen Klischees über die arabische Welt zu tun. Tochter Selma hat eine sexuelle Beziehung zu einem Mann und kämpft vermutlich den gleichen Kampf gegen elterliche Autorität wie andere junge Menschen. Kopftücher gibt es im ganzen Film nicht. Wobei ich kann natürlich wenig darüber sagen kann, wie weit das Kopftuch in Tunesien verbreitet ist.
Der Film konzentriert sich ganz auf Lilias Entwickelung. Der Höhepunkt dieser ist natürlich der finale Sex mit Chokri Lilia verführt den sehr viel jüngeren Freund ihrer Tochter in einer Nacht, in der diese eigentlich mit ihm verabredet und deshalb extra einen Freundin „zum lernen“ gegangen war. Der Sex zwischen Choki und Selma wird im Film nur dadurch angedeutet, dass man sieht was davor oder danach passiert. Anders sieht es bei der Sexszene mit Lilia aus. Hier geht es, für konservativ islamische Verhätnisse wahrscheinlich extrem heiß zu.
Lustigerweise fast die, an diesem Abend vom Freund versetzte Tochter am nächsten morgen Mut und plant nun, der Mutter ihren Freund vorzustellen. Das die beiden sich schon mehr als gut kennen, wird Selma wohl nie erfahren. Als etwas konservativ geratenes Ende heiraten Chokri und Selma schließlich. Der Mutter-Tochter-Konflikt wird also ausgespart. Kleiner Bonuspunkt für das biedere Ende ist immerhin die Szene in der Lilia mehr oder weniger Eindeutig mit dem Bräutigam tanzt.
Roja Oriental ist ein überaus gelungener Film, der neben tollen Tanzeinlagen und guten Schauspielern auch einen nicht westlichen Blick auf Themen wie weibliche Sexualität und Selbstverwirklichung eröffnet.

Roja Oriental WebSeite beim Amal Festival

Trailer: