Lady Snowblood -aka- Shurayukihime (1973)

Es sind unruhige Zeiten im Japan kurz vorm Anbrechen des 20. Jahrhunderts. Das Land, dass sich lange Zeit dem Westen gegenüber verschlossen hat, öffnet sich und will sich zur Weltmacht entwickeln. Deswegen wird die, im alten Japan des Shogun und Samurai, völlin unbekannte Wehrpflicht eingeführt.

In einem kleinen Dorf kommt, auf Grund von Gerüchten zur Tragödie. Drei Männer und eine Frau töten den neuen Grundschullehrer des Dorfes. Sie geben vor ihn für den in Weiß gekleideten Beamten der Regierung zu halten, der zur Überwachung der Wehrpflicht beauftragt ist. Sie metzeln den Mann brutal nieder, töten seinen kleine Sohn und vergewaltigen tagelang seine Frau. Anschließend erzählen sie den Leuten in Dorf sie könnten sich von der Wehrpflicht frei kaufen, in dem sie 270 Yen bezahlen. Einer der Betrüger macht sich mit seinem Anteil auf nach Tokio und nimmt die zuvor geschändete Frau des Lehrer mit, da er ihr verfallen ist. Diese tötet ihn schließlich und wird dafür ins Gefängnis gesteckt.

Dort verhält sie sich wie eine läufige Hündin und hat Sex mit jedem Mann, der ihr über den Weg läuft. Sie will unbedingt schwanger werden und einen Sohn gebären, der ihre Rache fortführen kann. Bei der Geburt einer Tochter stirbt die Frau und das Kind wird von einer wenig später freigelassenen Mitgefangenen zur Lehre bei einem Kampfkunstmeister gegeben, der sie zum gnadenlosen Racheengel ausbildet.

Als das Mädchen zu einer bildhübschen Frau herangewachsen ist, macht es sich daran die Rache ihrer Mutter zu vollendenden. Lady Snowblood genannt. Mit Hilfe des japanischen Bettlerkönigs spürt sie die Mörder von damals auf und folgt ihrer Bestimmung.

Ihr erstes Opfer ist inzwischen ein kranker, alter Säufer. Seine Tochter prostituiert sich heimlich um ihrem Vater Schnaps und Medizin zu kaufen. Der zweite Mann auf ihrer Liste ist angeblich bei einem Opiumschmuggel gestorben. Auch beim Versuch Rache an der Frau die unter den Mördern war, scheitert sie. Diese ist inzwischen Anführerin einer Mafiagruppe und erhängt sich bevor sie gerichtet wird.

Doch mit dem Auftauchen des letzten Mörders, der nicht ertrunken, sondern sehr lebendig ist muss ihre Rache vollenden und kann sich nicht dem Leben mit dem Journalisten und Buchautor widmen, der ihre Geschichte als Roman herausgebracht hat.

Rache! Immer wieder ein großartiges Filmthema. Mit Lady Snowblood setzt es Regisseur Toshiya Fujita auf überaus poetische Weise in Szene. Die Heldin wird lediglich zum Zweck der Rache gezeugt und geboren (Ich frage mich ob sich die Nighmare on Elmstreet Macher davon haben inserieren lassen. Wir erinnern uns: Freddy Kruegers Mutter war Nonne und wurde in einer Psychiatrie von sämtlichen Irren vergewaltigt. Freddy ist ja auch eine Rachfigur). Es wird in manchen Szenen deutlich, wie sehr Lady unter ihrer Rolle leidet. Wenn sie nicht das Schwer schwingt um Blut zu vergießen wirkt sie erstaunlich zerbrechlich. Ein völlig unfreies, fremd bestimmtes Wesen. Hauptdarstellerin Meiko Kaji spielt ihre Rolle sehr überzeugend und sang auch den Titelsong. Die Filmmusik selbst tut auch ihren Teil zur Atmosphäre des Films.

Der Beginn des Filmes ist sehr verschachtelt erzählt (kein Sorge später wird linear). Es wird gesprungen zischen Lady Snowbloods Mutter im Gefängnis, der Geschichte um den Mord an ihrem Mann, der Jetztzeit in der sich Lady Snowblood bewegt und dem historischen Hintergrund, der in Zeichnungen bzw. Mangazeichnungen erzählt wird. Gerade diese schwarz weiß roten Bilder verfehlen ihre Wirkung nicht.

Rot ist sowieso das Stichwort. An Blut wurde in Lady Snowblood nicht gespart. Jeder Schwertstoß eine Blutfontäne! Es ist schwer zu sagen, ob das übertrieben ist oder eine Abkehr von Filmen in denen überhaupt kein Blut fließt. Definitiv hat Lady Snowblood aber mit den Weg frei gemacht für Filme wie Shogun’s Sadism – The Joy of Torture 2: Oxen Split Torturing. Die Schwertkämpfe für sich sind mit ungeheurer Eleganz choreografiert.

Neben dem Rachemotiv thematisiert behandelt der Film auch die oft im Film verarbeitete (zuletzt durch Last Samurai) Öffnung Japans gegenüber dem Westen. Gerade wie Lady Snowbloods Opfer angeordnet sind ist ein Zeichen dafür. Der Erste ist ein Verlierer, der es in den neuen Zeiten zu nichts gebracht hat. Die Zweite ist Mafiaboss und verfügt bereits über Schusswaffen. Und der dritte ist kein kleiner Verbrecher, sondern Waffenschmuggler, der Geschäft mit der Regierung macht. Nachdem Lady Snowblood ihn getönt hat ist für sie selbst kein Platz mehr, da sie selbst Bestandteil des alten Japans ist (Schön in diesem Zusammenhang ist auch die Szene, in der das letzte Opfer von der Galerie fällt und dort die Japanische Flagge herunter reißt, die dort neben der amerikanischen hing). Jedoch wird sie von der Tochter (die Prostituierte) eines ihrer Opfer getötet, wodurch auch die Botschaft herausgestellt wird, das Gewalt immer nur neue Gewalt hervorruft.

Bekanntheit außerhalb der Eastern Fan Szene bekam der Film erst wieder durch Quentin Tarantinos Kill Bill. Dieser bedient sich ganz offen aus Lady Snowbloods Motiven und zitiert ihn eigentlich ununterbrochen.

Was ich noch sehr gut gemacht fand, war übrigens des Maskenball, der an Sissi Filme erinnerte und so die folgende Gewalt sehr schön kontrastierte. Wobei man sich bei dem Ball natürlich beschweren kann, dass dort Flaggen hängen, die es zur Zeit in der, der Film spielt noch gar nicht gab, weil es die Staaten noch nicht gab. Aber so kleinkariert sollte man nicht sein^^

Ursprünglich veröffentlicht: Dez 10, 2007 @ 18:06

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