Boulevardjournalismus und Kampagnenjournalismus am Beispiel Bild-Zeitung

Die Bild-Zeitung ist Deutschlands und Europas auflagenstärkste Tageszeitung, mit einer Auflage von über drei Millionen und einer Reichweite von über elf Millionen Lesern. Soziale Funktionen der Bild-Zeitung als Medium sind Sozialisation, Vermittlung sozialer Orientierung und die Unterhaltung. Als Boulevardzeitung ist Bild darauf ausgerichtet, durch Emotionalisierung die Gefühlswelt des Lesers bzw. potenziellen Käufers zu aktivieren.
Inhaltlich sind Soft News vorherrschend, der Informationsgehalt ist gering und es wird sehr stark personalisiert, emotionalisiert und vereinfacht. Oft werden Themen aktualisiert. Auch wird versucht eine „Gut“ und „Böse“ Gegenüberstellung zu erreichen. Bei den wenigen Hard News aus den Bereichen Politik und Wirtschaft wird diese Taktik ebenfalls angewendet. Bei Bild findet eine Nachrichtenwertverschiebung von Relevanz nach Sensation statt. Grundfragen werden oft nicht beantwortet. Durch diese Art der Themenwahl vermittelt Bild eine dramatisierte und fiktionalisierte Weltsicht und macht die Inhalte für Leser mit niedrigem Bildungsniveau leichter konsumierbar. Auch aus Gründen der Gewinnmaximierung wird keine Meinung vertreten, die der Mehrheitsmeinung der Leser widerspricht.
Bei der Bild handelt es sich um eine reine Straßenverkaufszeitung. Das beeinflusst die optische Gestaltung (Farbe, Schrift und Photos sind die 3 Hauptparameter), die Aufmerksamkeit erregen und einen spontanen Kaufanreiz auslösen soll. Den Überschriften wird größere Bedeutung beigemessen als den Bildern, wobei diese gezielt eingesetzt werden, um die Wirkung der Artikel zu verstärken. Sprache und Interpunktion der Bild sind auf Einfachheit und Emotionalität ausgerichtet.
Die meisten Rügen die der Presserat wegen Verstößen gegen journalistische Qualität ausstellt, gehen an die Bild-Zeitung, wobei ein Vergleich mit anderen Zeitungen schwer fällt, da es in Deutschland keine andere überregionale Boulevardzeitung gibt.
Kampagnenjournalismus ist eine Form und eine Strategie des Journalismus, bei der zur Verwirklichung eines übergeordneten persönlich motivierten Ziels die Berichterstattung zu einem Thema innerhalb eines bestimmten Zeitraums unter dramaturgischen und strategischen Gesichtspunkten arrangiert wird. Sie wird aktiv aufrecht erhalten und es werden persuasive Mittel eingesetzt um Meinungen zu beeinflussen. Beim Kampagnenjournalismus wird eine Hinhaltetaktik angewandt. So werden Informationen nach und nach veröffentlicht um die Berichterstattung über einen längeren Zeitraum hinweg aufrecht erhalten zu können.
Der Bild-Zeitung wird sehr häufig Kampagnenjournalismus vorgeworfen, jedoch treffen nicht unbedingt immer alle Faktoren zu. Betreibt eine Zeitung Kampagnenjournalismus so, wird sie dadurch zum politischen Akteur, da sie die Vermittlerrolle verlässt. Beim Kampagnenjournalismus ist Synchronisation von Kommentar und Meldungen zu beobachten.

Literatur:

Boenisch, Vasco: Strategie: Stimmungsmache.. Wie man Kampagnenjournalismus definiert, analysiert – und wie ihn die BILD-Zeitung betreibt. Köln 2007.

Büscher, Hartmut: Emotionalität in Schlagzeilen der Boulevardpresse. Theoretische und empirische Studien zum emotionalen Wirkungspotential von Schalgzeilen der BILD-Zeitung im Assoziationsbereich “Tod“.Frankfurt am Main u.a. 1996.

Henschel, Gerhard: Gossenreport. Betriebsgeheimnisse der Bild-Zeitung. Berlin 2006.

Jogschies, Rainer: Emotainment – Journalismus am Scheideweg. Der Fall Sebnitz und die Folgen. Münster/Hamburg/London 2001.

Minzberg, Martina: BILD-Zeitung und Persönlichkeitsschutz. Vor Gericht und Presserat: Eine Bestandsaufnahme mit neuen Fällen aus den 90er Jahren. Baden Baden 1999.

Reinemann, Carsten: „Guter Boulevard ist immer auch außerparlamentarische Opposition“ Das Handeln von Bild am Beispiel der Berichterstattung über Hartz IV. In: Pfetsch, Barbara / Adam, Silke (Hrsg.): Medien als politische Akteure im politischen Prozess. Wiesbaden 2007.

Wallraff, Günter: Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. Köln 1997.

Bei diesem Text handelt es sich übrigens um eine Exposé zur Magister Zwischenprüfung im Fach Medienwissenschaft an der Uni Trier.

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