Zu Maischberger: „Keuschheit statt Porno – brauchen wir eine neue Sexualmoral?“

Gestern Abend wurde ich Zeuge, dass es im Deutschen Fernsehen ab und zu doch mal interessante Talkrunden gibt. Denn Gott sei gibt es ja neben durch und durch untalentierten Talkmastern wie Kerner und Beckmann noch Frau Maischberger.

Zu später Sendezeit ging es dort Gestern um die Frage „Keuschheit statt Porno – brauchen wir eine neue Sexualmoral?“. Es sei Vorweg gesagt, dass das Ergebnis nicht wirklich befriedigend war, da man dort wie so oft in Talkshows Äpfel mit Birnen verglich. Aber unterhaltsam war die Konfrontation allemal. Die Gästeliste den nötigen Zündstoff dafür. Eine mir unbekannte Schauspielerin, ihrerseits Mutter von zwei Töchtern bot den ruhigen Pol der Sendung. Für Spannung sorgte die Rapperin „Lady ‚Bitch‘ Ray“. Diese ist ihrerseits Migrantenkind und Akademikerin (Eine Mischung die laut der jüngsten Pisastudie wirklich Seltenheitswert hat). Sie hat ihr Studium der Linguistik und Germanistik nicht nur mit 1,2 abgeschlossen und ist als Lehrbeauftragte an ihre Uni tätig sondern auch das wohl einzige medial bekannte Gegenstück zu ihren männlichen Rapperkollegen. Weiterhin saß in der Runde Nathanael Liminski, Katholik und Autor des Buches „Generation Benedikt“ (wohl als Anspielung auf die polnische Gesellschaft zu sehen, in der es so etwas wie eine Generation „Johannes Paul 2.“) und Verfechter der Keuschheit vor der Ehe. Ebenfalls anwesend war Oswalt Kolle, der mit seinen Aufklärungsfilmen seiner Zeit den Sex nicht nur in die Kino brachte. Etwas fehl besetzt wirkte nur ein Berliner Journalist, der in einer Arche arbeitet. Doch das lag nicht an seiner Person sondern an dem Konzept der Sendung.

 

Neben den sehr unterhaltsamen Auseinandersetzung zwischen dem lustigen Katholiken (wobei ich seinen Humor grässlich fand) und Lady Bitch Ray, sorgte gerade Oswald Kolle für Highlights. So berichtete er von seinem ersten Mal „Ich war 14, das erste Mal war mit einem Jungen“ und brachte die Verlogenheit der 68er auf den Punkt „Das waren Tübinger Arschlöcher. Pastorensöhne, die einfach ein bisschen mehr ficken wollten.“ So bildete sich irgendwann eine recht große Übereinstimmung zwischen Lady Bitch Ray und dem Aufklärer. Nathanael Liminski wirkte hingegen erstaunlich verblendet und weltfremd. Auch wenn er sich von amerikanischen Spinnern wie „Wahre Liebe wartet“ distanzierte, zeigte er erschreckend wohin ein Steinzeit Katholizismus führt. Zumal er, wenn er mit dem Weltjugendtag in Köln argumentierte, definitiv verblendet ist. Wie Kolle richtig einwarf haben die Jugendlichen dort alles andere als keusch gelebt. Was eine Tatsache ist, wenn man hört wie viele Kondome die Kölner Stadtreinigung damals im Müll fand (Außerdem war der Abschluss Gottesdienst auf dem Marienfeld, bzw. die Nacht davor garantiert der größte Freiluft Gruppensex seit Woodstock). Damir konfrontiert griff Nathanael Liminski lieber wieder Lady Bitch Ray für ihren Vagina Style Rap an, was die ihm intellektuell überlegene Wissenschaftlerin aber gekonnt kontern konnte.

 

Doch die Rapperin war auch der Grund dafür, warum die Sendung teilweise auf der Stelle trat. Das war nicht ihre Schuld, denn sie ist sehr wohl in der Lage ihre Vorstellungen von Emanzipation auf den Punkt zu bringen. Vielmehr bestand eine zu große Kluft zwischen dem Wissen von Lady Bitch Ray und dem der anderen Gäste. Sobald sich die Diskussion nämlich um Hip Hop drehte wirkte sogar der Arche Mitarbeite extrem uninformiert, was diese Kunstform betrifft. So wurde Lady Bitch Ray in einen Topf mit Sido, Bushido und Frauenarzt geworfen (Wobei ich es auch seltsam finde die beiden inzwischen zu MTV Rappern konvertierten Aggro Leute in eine Gruppe zu Frauenarzt zu packen, den ich eher bei Kaisaschnitt und King Orgasmus One oder Taktloss einsortieren würde) ohne dass irgendjemand bemerkt hat, dass Bitch Ray als Frau gegen das Hip Hop Bild, welches der moderne Gangsta Ghetto Rap vorlebt, rebelliert.

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Ein Kommentar auf “Zu Maischberger: „Keuschheit statt Porno – brauchen wir eine neue Sexualmoral?“
  1. Schade daß ich die Sendung verpasst habe. Klingt mir nach ’nem Thema daß hitzige debatten entfachen kann..

1 Pings/Trackbacks für "Zu Maischberger: „Keuschheit statt Porno – brauchen wir eine neue Sexualmoral?“"
  1. […] sich noch an die großartige Talkrunde bei Frau Maischberger mit dem Titel “Keuschheit statt Porno – brauchen wir eine neue Sexualmoral?” erinnert, wird sich über ein kleines Video bei spiegel.de freuen. Die Rapperin und Doktorantin […]

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