Dänische Delikatessen -aka- The Green Butchers

Da der Blog Echoray.de mich anhand des Films „Dänische Delikatessen“ verleugnet hat, ich würde Kannibalenfilme nur interessant finden, wenn sie blutig seien, poste ich hier mal das überarbeitete Review zu dem Film.

Die wenigstens Leute denken jemals im Leben über Kannibalenfilme nach. Tun sie es doch, sind sie im Zweifelsfall irgendwie gestört, üble Gorehounds oder einfach Fans dieses Horrorsubgenres.

Gedreht wurden Kannibalenfilme meist von Südeuopäern. So haben Joe D’Amato, Jess Franco, Ruggero Deodato, oder Umberto Lenzi das Genre geprägt. Wenn es ein Budget gab das es zuließ drehten sie ihre Kannibalenfilme sogar in Südamerika (zumal dort die Drogen billiger waren). War zu wenig Geld in der Kasse, dann mussten die Palmenlandschaften Spaniens oder Italiens herhalten.

Aber es braucht kein südländisches Temperament um einen Film über Menschen zu machen, die sich gegenseitig verspeisen. Das schafft man auch als durchgeknallter Skandinavier, wie Anders Thomas Jensen einer ist. Der Däne schrieb schon die Drehbücher für „Wilbur Wants to Kill Himself“ von Lone Scherfig und für „In China essen sie Hunde“ von Lasse Spang Olsen.

 

Der Film erzählt die Geschichter der beiden Schlachter Svend und Bjarne. Die beiden wollen ihre eigene Metzgerei eröffnen. Leider fehlt ihnen dafür doch das Geld. Um an das nötige Startkapital zu kommen, ringt sich Bjarne letzten Ende sogar dazu durch, bei seinem im Koma liegenden Bruder den Stecker zu ziehen. Denn nur so kann er an dessen Erbe herankommen. Doch als der Laden endlich eröffnet ist, klappt nichts so, wie die beiden Fleischer sich das vorgestellt hatten. Das Geschäft kommt nicht in Schwung. Es fehlt den beiden eine Delikatesse um gegen ihren alten Arbeitgebers anzukommen. Dessen Wurst ist nämlich überall so beliebt, dass das ganze Dorf nur bei ihm einkauft. Zu allem Übel wird Svend dann auch noch von seiner Freundin verlassen. In diesem Chaos sperrt er aus versehen einen Elektriker im Kühlraum ein. Dieser ist am nächsten Tag erfroren, was Svened vollkommen um den Verstand bringt. Unter Schock stehend verarbeitet er ein Bein des Elektrikers zu Filets, leckt diese in Marinade ein und verkauft sie an seinen alten Chef. Dummerweise schmeckt dieses Fleisch so gut, dass die Kundschaft den Metzgern die Bude einrennt. Doch das Fleisch des Elektrikers ist bei diesem Fleischhunger der Menschen natürlich irgendwann komplett verkauft.

Zu allem Übel kommt zum Problem des Nachschubbeschaffens noch, dass Bjarne Bruder auf einmal aus dem Koma aufwacht und für reichlich Verwirrung sorgt. Bjarne selbst kommt außerdem gar nicht mehr dazu sich voll und ganz der Arbeit zu widmen, da sich zwischen ihm und der schönen Friedhofsangestellten Astrid gefunkt hat.

Eins vorweg: Um seinen Spaß an diesem kleinen aber feinen Dänische Film, sollte man etwas für Fleisch und noch viel mehr für rabenschwarzen Humor übrig haben. Wer dann nebenbei noch skurrile Typen mag, ist hier bestens Aufgehoben. Die beiden (Anti)Helden des Films tragen den Film über weite Strecken fast allein. Der unter Schweißausbrüchen leidende, sich ständig als Opfer fühlende Svend ist dabei die interessantere und tragischere Figur. Bjarne, der es nach eigenen Angaben nicht mal merken würde, wenn seine Haare brennen würden, weil er so viele Joints raucht, wirkt gegen ihn eher schwach. Jedoch kann Bjarne Darsteller Nikolaj Lie Kaas zeigen was er kann wenn Eigil ins Spiel kommt. Dieser wird ebenfalls von ihm gespielt und ist an Skurrilität fast nicht zu übertreffen.

Den Preis für die philosophischste Erkenntnis des Films geht an den alten Metzgermeister für seine mystische Aussage über Wurst. Oder bezweifelt irgendjemand, dass es nichts erniedrigenderes für ein Tier gäbe, als geschlachtet zu werden und anschließend in seinen eigenen DARM gepresst zu werden? Außerdem noch zu erwähnen ist der alte Pfarrer, der einst, nach einem Flugzeugabsturz seine Frau verspeist hat. Der Kannibalenfilmfreund erkennt dass natürlich als Anspielung auf „Überleben“, den Film über die Rugby Mannschaft, die in den Anden abgestürzt war und irgendwann anfangen musste, ihre Toten zu verspeisen. Außerdem macht der Pfarrer den Religiösen Aspekt des Kannibalismus klar, was auch einmal ganz interessant ist.

Auf großartige Gore und Splattereffekte verzichtet der Film. Aber bei Kannibalenfilmen geht es meiner Meinung um das Thema selbst und nicht darum, Frauen zu pfählen, ihnen Harken durch die Brüste zu stechen, Tiere vor laufender Kamera zu töten oder sonst wie zu schlachten.

Zwar ist „Dänische Delikatessen“ bei aller Skurilität ein ruhigerer Film, aber ist unterhaltsam Film und sei auch denen ans Herz gelegt sei, die normalerweise bei der Wortkombination Kannibalismus und Film schon rot sehen.