Death Proof – Todsicher (2007)

Eine Gruppe jünger hübscher Frauen macht sich auf einem netten Abend mit viel Alkohol und Haschisch zu verbringen und dabei auch ohne Jungs möglichst viel Spaß zu haben. In der Bar von Warren (Regisseur Quentin Tarantino) treffen sie auf Stuntman Mike. Es wird viel geredet und schließlich macht die hübsche Butterfly sogar einen Lapdance für Stunman Mike. Grund dafür ist, dass ihre langbeinige Freundin, die Radiomoderatorin Jungle Julia in ihrer Show Versprochen hat, Butterfly würde eben einen solchen erotischen Tanz für den ersten Mann hinlegen, der ihr einen Drink spendiert und ihr ein Gedicht aufsagt. Gegen Ende des Abends bietet Stuntman Mike sich an, eine junge Frau aus der Bar nach Hause zu bringen. Doch sein Wagen ist todsicher. Aber das nur für den Fahrer. Die schwarze Karre ist nämlich so verstärkt, dass der Fahrer in ihr jeden Crash überlebt, während der Beifahrer bei einem solchen munter durch das Wagen innere geschleudert wird. Eben dieses Schicksal erleidet die junge Frau und auch die Clique um Jungle Julia und Butterfly bleibt nicht verschont. Stuntman Mike verursacht einen tödlichen Crash mit den Mädels, den sie alle mit dem Leben und Jungle Julia zusätzlich mit ihren langen Beinen bezahlt.

Ein paar Monte später ist Stuntman Mike wieder auf den Beinen und hat ein neues aufgemotztes Vehikel. Doch dieses mal such er sich die falschen Opfer zur Befriedigung seiner perversen Gelüste. Denn die Gruppe Frauen die er diesmal aufs Korn nehmen will, besteht unter anderem aus zwei Stuntfrauen, die sich gerade ihren Traumwagen geliehen haben um damit Schiffsmast zu spielen. Bei dieser waghalsigen Aktion hängt sich eine der Frauen mit zwei Gürteln gehalten auf die Motorhaube und geniest den Fahrwind auf etwas andere Weise. Natürlich endet der Traum von Freiheit recht rüde für sie, als Stuntman Mike beginnt ihren Wagen (für den sie ihre kleine Cheerleader Freundin bei dessen Redneck Besitzer als Pfand lassen mussten) zu rammen. Doch die Frauen können sich behaupten und verderben Stuntman Mike gründlich den Spaß als sie ihn erst stellen, dann auf ihn schießen und dann den Spieß umdrehen und ihn zum Gejagten machen.

Eins Vorweg. Ich habe schon zu Beginn dieses Films feuchte Augen bekommen, weil ich so glücklich war endlich mal so einen Film im Kino sehen zu dürfen. Die ersten Bilder des Films haben also schon dazu geführt, dass ich mich gefreut habe wie ein Schneekönig und diese Euphorie hat der Film auch fast die ganze Zeit bei mir verursacht. Da ich aber ich gleich aber nicht meine Lobeshymnen auf den Film unterbrechen will, fange ich mal damit an, was dazu geführt hat, das ich Quentin Tarantino nicht auf der Stelle einen Heiratsantrag gemacht habe.

Da wäre zum einen die Tatsache, dass Deathproof eigentlich als Grindhouse Double Feature zusammen mit Robert Rodriguez geplant war. Da der Film in solcher Form aber in den USA floppte (bzw. nicht die Kommerziellen Erwartungen erfüllte) wurde er in Deutschland gesplittet und Deatproof kam erstmal alleine in die Kinos. Das ist für mich alleine schon deswegen eine Katastrophe mit götterdämmerungsartigem Ausmaß, weil ich so nicht in den Genuss der Fake Trailer gekommen bin, die bei Grindhouse zwischen den beiden Filmen liefen. Dass hat zwar mit Death Proof an sich nichts zu tun, aber für jemanden wie mich, der alle ILSA Filme in doppelter Ausführung auf DVD hat, wäre es mit das Großartigste gewesen, Rob Zombies Fake Trailer „Werewolf Women of the S.S.“ auf einer großen Leinwand sehen zu dürfen. Auch wäre man als Student wesentlich billiger davon gekommen, wenn man zwei Filme auf einmal hätte sehen können und man hätte ein Double Feature erleben können (wer sich diesen Traum mal erfüllen will, dem sei Der geheimnisvolle Filmclub Buio Omega ans Herz gelegt). Das Death Proof nun eben nicht als Double Feature lief hat zum entscheidenden Kratzer des Film geführt. Denn so wurde der Film künstlich auf 113 Minuten aufgeblasen. Meines Wissens fehlten in Grindhouse zwar die überaus ansehnliche Lapdance und die Schwarz/Weiß Szene (die ich beide nicht missen wollte), aber trotzdem ist Death Proof zu lang geraten. 20 Minuten weniger hätten dem Film gut getan. Glücklicherweise sind die Dialoge aber Quentin Tarantino, so dass das ewige Gelaber nicht unerträglich wird. Wobei man sich einiges doch hätte sparen können.

Nun aber dazu, warum man Death Proof auch für sich genommen ein großartiger Film ist. Das fängt schon mit dem ungeheuren Retro Charme an. Über künstliche hinzugefügte Bildfehler, fehlende Szenen, Katzer auf der Filmrolle oder falsche Farben kann man natürlich streiten, aber in Zeiten in denen digitale Techniken den guten alten Filmstreifen verdrängen, sollte man dankbar für eine kleine Erinnerung sein, was Film eigentlich bedeutet. Zumal es sich bei Death Proof um eine Hommage ans Exploitation Kino der 70er handelt. Eine fehlerfreie Filmrolle wäre einfach nicht authentisch hierfür und würde den künstlerischen und den Liebhaberwert lediglich mindern.

Wer Quentin Tarantino nicht mag, weil er in Kill Bill Vol.1 ein riesiges Gemetzel angestellt hat und er als Independent Regisseur kommerziell erfolgreich ist, sondern weil der Mann ein Cineast und Kinofanatiker aller ersten Ranges ist muss Death Proof einfach lieben. Ich persönlich kenne zwar den (besonders in einem viel zu langen Dialog über Autofilme) viel zitierten „Vanisching Point – Fluchtpunkt San Francisco“ nicht, aber ansonsten hab ich mich doch recht zu Hause gefühlt. Da gibt es die Kühlerfigur in Entenform auf Stuntman Mikes Autos, welche für sich genommen ein recht amüsanter Kontrast zur blutrünstigen Passion des Fahrers ist und in einer Szene gar als Phallusersatz herhalten muss. Eben eine solche Ente schmückte auch die Motorhaube von Rubber Duck in Convoy von 1978 (läuft glaub ich ab und an auf Kabel 1). Weiterhin versprüht Death Proof durch und durch den Geist eins Russ Meyer. Zwar legt Quentin Tarantino nicht Russ Meyers Wert auf riesige Brüste, aber ich kann mir schwer vorstellen, dass man Death Proof wirklich genießen kann, wenn man Russ Meyers Schwarz/Weiß (und ohne blanke Brüste auskommendes!!!!) Meisterwerk „Faster, Pussycat! Kill! Kill! “(in Deutschland auch bekannt als „Die Satansweiber von Tittfield“) mit Tura Satana nicht kennt. Laut IMDB wird der Film auch auf einem T-Shirt im Film erwähnt. Auch „Pulp Fiction“ bekommt eine kleine Erwähnung in Form des „Big Kahuna Burgers“. Ebenso wie Scary Movie 4 und Wolf Creek, die laut einem Plakat am Rande der Strasse in einem Double Feature laufen.

Weiterhin kann man Death Proof nicht nur als Exploitation sondern kleinen „Rape an Revange“ Film ansehen. Zwar wird die Vergewaltigung nicht zelebriert wie in „I Spit on Your Grave“- „Day of the Woman“ sondern wird rein metaphorisch durch Stuntman Mikes ersten Crash gezeigt. Die Rache ist dann überdeutlich im letzten Teil des Films gesehen. Die sexuelle Komponente serviert Tarantino übrigens nicht subtil, sondern auf den Silbertablett in Form eines Dialoges von Sheriff Earl McGraw (gabs doch auch schon in Kill Bill, oder?) mit seinem Hiwi. Lustiger Weise ist der schmierige Rednack, der den weißen Wagen verkaufen will, der gleiche Typ, der in Kill Bill die im Koma liegende Braut vergewaltigen wollte. Diesem Typ überlassen die Mädels übrigens am Ende ihre Cheerleader Freundin. Diese erfüllt für die Story zwar keinen wirklichen Zweck, aber sorgt durch bloße Existenz für einen zusätzlichen Erotikfaktor (Cheerleader eben). Außerdem hat Tarantion „Revenge of the Cheerleaders“ von 1976 ja bei seinem ersten Filmfest gezeigt und dankt im Abspann den „Satan’s Cheerleaders“; aber egal.

Wer jetzt verstanden hat was ich versucht habe zu sagen sollte sich Death Proof – Todsicher auf jeden Fall ansehen. Wer einen Mainstram tauglichen Film erwartet oder nicht tolerant gegenüber etwas anderen Filmen sollte die Finger davon lassen.

By the way: Eigentlich müsste man sich mal Grindhouse als DVD kaufen und es auf einem schäbigen Hinterhof per Beamer zeigen, um echtes Grindhouse Feeling zu bekommen.

Nachtrag: Death Proof ist außerdem ein Frauenfilm!

Regie und Drehbuch:

Quentin Rarantino

Darsteller:

Kurt Russell … Stuntman Mike

Rosario Dawson … Abernathy

Vanessa Ferlito … Arlene/’Butterfly‘

Jordan Ladd … Shanna

Rose McGowan … Pam

Sydney Tamiia Poitier … Jungle Julia (as Sydney Poitier)

Tracie Thoms … Kim

Mary Elizabeth Winstead … Lee

Zoe Bell … Zoë (as Zoë Bell)

Michael Parks … Texas Ranger Earl McGraw

James Parks … Edgar McGraw

Quentin Tarantino … Warren the Bartender

Monica Staggs … Lanna Frank

Omar Doom … Nate

Marcy Harriell … Marcy

Nicky Katt … Convenience Store Clerk

Helen Kim … Peg

Jonathan Loughran … Jasper

Marta Mendoza … Punky Bruiser

Tim Murphy … Tim the Bartender

Eli Roth … Dov

Marley Shelton … Dr. Dakota McGraw Block

Veröffentlicht unter Film und Kino

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