Das Texas Kettensägenmassaker -aka- Blutgericht in Texas -aka- The Texas Chain Saw Massacre

Auf einem Friedhof in Texas wurden Gräber ausgehoben und Leichen geschändet. Sally und ihre im Rollstuhl sitzender Bruder Franklin fahren zusammen mit drei Freunden nach Texas um zu sehen ob das Grab ihres Großvaters ebenfalls unter den geschändeten Ruhestätten ist. Auf der Weiterfahrt nehmen sie in der Nähe einer Großschlachterei einen Anhalter mit. Dieser scheint ein wenig durchgedreht und redet hauptsächlich von den Vorzügen Tiertötung durch den Hammer im Vergleich zum Bolzenschussgerät. Als der Anhalter erst beginnt sich selbst mit einer Rasierklinge in die Hand zu schneiden und dann noch Franklin verletzt schmeißt die Gruppe in aus dem Wagen. Später erreichen sie das alte verfallene Haus des Großvaters in dessen direkter Nachbarschaft ein weiteres verfallenes Haus steht, welches aber von einer kannibalistischen, asozialen Familie bewohnt wird, von denen einer eine Maske aus Menschenhaut trägt und mit seiner Kettensäge seine Opfer zerstückelt.

Beim Namen Texas Kettensaägenmassaker oder auch Blutgericht in Texas, klingeln bei den meisten Menschen die Alarmglocken und sie denken direkt an den brutalsten, blutigsten und erbarmungslosesten Film der Filmgeschichte. Das liegt wohl vor allem daran, dass die meisten Menschen (auf jeden Fall in Deutschland) diesen Film nie gesehen haben und sich an Hand des Titels nur ihr eigenen Fantasien zum Thema machen konnten. Blut ist im Blutgericht Mangelware. Die Szene in der sich der Anhalter in die Hand schneidet ist das blutigste was es zu sehen gibt. Gore oder Splatter Effekte in denen ein menschlicher Leib mit der Kettensäge zerteilt wird gibt es gar nicht. Die Grausamkeit entsteht vielmehr im Kopf des Zuschauers. Nachdem die ersten drei Mitglieder der Gruppe von Letherface mit dem klassischen Metzgerwerkzeug Vorschlaghammer und Fleischerhaken schlachtet, tötet er zwar Franklin mit der Kettensäge, aber hierbei ist es dunkel und Blut oder Organe sind nicht zu sehen. Dass ändert aber nichts daran, dass alle Morde auf den Zuschauer extrem grausam wirken. Dieses liegt zum einen an fast schon dokumentarischen Machart des Films und der handwerklichen und absolut emotionslosen Arbeitsweise von Letherface. Er schlachtet die Menschen und bereitet sie zum Verzehr vor. Wie das ein Metzger nun mal so tut. Die Umgebung ist dabei so grotesk und heruntergekommen, dass sie eine alptraumartige Wirkung hat. Wenn Letherface schließlich Sally mit der Kettensäge verfolgt erreicht die Spannung im nicht enden wollenden Showdon ihren Höhepunkt. Sie rennt vor dem Kettensäge schwingenden Letherface davon und man hört nur noch das laute Dröhnen der Kettensäge und Sallys Schreie. An diesem Punkt gibt es nur Existenzangst und Furcht, die absolut unkommentiert bleibt und eben deshalb so schrecklich auf den Zuschauer wirkt. Die verzweifelten Schreie die Sally dabei ausstößt verhallen in der Sinnlosigkeit der Gewalt die sie umgibt. Den Höhepunkt des grotesken erreicht der Film wenn Sally schließlich zum kannibalischen Familienmahl geladen ist und dort den sadistischen Quälereien der Familie ausgesetzt ist. Final soll sie vom halbtoten, verschrumpelten Großvater der Familie geschlachtet werden, der als Meister seines Fachs gilt, aber viel zu schwach dafür ist, mit dem Hammer zu zuschlagen.

Was beim Texas Kettensägenmassaker besonders auffällt, ist die Verwendung des Lichts. Bei den Szenen die am Tag spielen kann man die Hitze förmlich fühlen und fühlt sich ins tiefste Texas versetzt. Im Gegensatz dazu gibt es nachts nur ein paar Scheinwerfer die Licht ins Dunkel bringen. Besonders toll in Szene gesetzt sind noch die Szene mit den Exhumierten Leichen und die Schlussszene in der Letherface in der blutroten Abenddämmerung die Kettensäge schwingt. Was zur Stimmung des Film auch sehr vie beiträgt, sind die kurzen Szenen direkt zu Beginn, wenn man in kurzen Ausschnitten die Bilder von verwesenden Leichen sieht. Hier wird der Zuschauer vorbereitet auf das was noch auf ihn zukommt und die Bilder bleiben bis zum wirklichen Ausbruch der Gewalt im Hinterkopf hängen, so dass sie fast als eine Art Warnung verstanden werden können auf Nerven zerreißenden Terror der einen noch erwartet.

Man kann Das Texas Kettensägenmassaker auf unterschiedliche Weisen interpretieren. Entweder man geht davon aus, dass hier einfach eine Bande von gestörten Hinterwäldlern die aus animalischen Trieben heraus töten. Das ist die Deutung die Regisseur Tobe Hopper immer wieder unterstrichen hat und auch reicht um den Film zu verstehen. Jedoch kann man genau so gut ein gewisses Maß an Sozialkritik darin sehen. Die ganze Redneck Familie besteht aus Metzgern, die auf Grund des Fortschritts, ihre Arbeit verloren haben (Bolzenschussgerät statt Hammer). Das einzige was ihnen noch bleibt ist ihre Familie. Dringt jemand in den familiären Kosmos ein oder bedroht diese wird er geschlachtet, da dies das einzige ist was die Familienangehörigen gelernt haben. Kritisiert wird also der Fortschritt, der den Menschen ihre Grundlage beraubt und sie so an den Rand der Gesellschaft buxiert und der amerikanische Familiesinn und das Selbstverständnis, dass alles Fremde als Feind für das geschlossene System betrachtet werden muss. Die Interpretation könnte man noch weiter fortführen, was ich hier mal unterlasse, da ich doch kein Soziologe oder ähnliches bin.

Filmhistorisch ist Texas Chainsaw Massacre auf jeden Fall ein extrem wichtiger Film. Nachdem in Psycho die Grundlage für den modernen Horrorfilm gelegt wurde, hier erstmals das Monster geschaffen, dass mordet ohne Emotionen zu zeigen und sich seiner Handlung gar nicht bewusst ist. In diesem Sinne ist Letherface zusammen mit Norman Bates direkter Vorfahre von Michael Myers und Jason Voorhees, obgleich diese auf Grund der völlig anderen Inszenierung ihrer Filme auf den ersten Blick wenig mit Letherface gemein haben.

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