Mann beißt Hund – aka – Man Bites Dog: It Happened in Your Neighborhood

Ein Team von Dokumentarfilmern begleitet einen Mann auf Schritt und Tritt, während er ganz normal seiner Arbeit nachgeht. Dass ist das Konzept einer klassischen, recht alltäglichen Dokumentation, wie wir sie in Zeiten des Reality TVs ständig zu sehen bekommen.”Mann beißt Hund” ist eine solche Dokumentation. Sie ist nur nicht ganz so normal. Den der hier beobachtete Held der Dokumentation ist ein eiskalter Mörder, der seine Opfer ohne jede Empfindung oder ein Zeichen von Reue aus bloßer Habgier tötet. Er mordet scheinbar ohne jede Konsequenz und wird dabei vom Kamerateam begleitet, dem er auch schon mal recht sachlich genau erklärt, wie man Leichen richtig beschweren muss, damit sie nach der Versenkung im Kanal oder Steinbruch nicht wieder auftauchen. Nach und nach beginnt jedoch, dass Kamerateam sich mit dem Mörder (Ben sein Name übrigens) quasi zu verbrüdern. Dies beginnt damit, dass das Team ihm beim beseitigen der Leiche eines Schwarzen hilft, den er selbst aus Angst vor Aids nicht anfassen will (Vorher sehen sie jedoch noch nach, ob es stimmt, dass Schwarze so gut bestückt sind). Schließlich finanziert Ben den Film selbst mit und das Team beginnt selbst zu morden. Ironischerweise ist ihr erstes Opfer ein Filmteam, das einen Film über einen anderen Killer drehte. Das Team bleibt jedoch auch nicht ungeschont. Sein Tonmann fällt einem der von Bens Mordopfer zu Opfer bevor er es erwischt. Der schreckliche Gipfel dieser Entwickelung ist, als Ben und das Team im Suff in eine Wohnung einbrechen und dort kollektiv eine Frau vergewaltigen und nachher ein Blutbad anrichten.Man merkt vielleicht, dass “Mann beißt Hund” kein Film für schwache Nerven ist. Der in schwarzweiß gedrehte Film wirkt überaus real und führt den Zuschauer als Voyeur reinen vor. Alle Morde die Ben vor laufender Kamera begeht sind so emotionslos in Szene gesetzt, dass man sich fast wie in einer wirklichen Dokumentation fühlt. Der Zuschauer wird ebenfalls dazu verleitet sich mit Ben und dem Kamerateam zu assoziieren, was unter anderem daran liegt, dass man Ben außerhalb seiner Morde als eigentlich ganz netten Kerl vorgeführt bekommt, der nach getaner Arbeit mit den Jungs Essen geht oder seine Familie besucht. Dass er jedoch ein gnadenloser Killer ist gerät zum Teil fast Beiläufig in den Hintergrund und wir einem erst dann wieder wirklich klar, wenn er zum Beispiel den kleinen Jungen tötet. Die Schuld an dessen Tod hat jedoch eigentlich nur die Gruppe der Dokumentarfilmer, da diese Ben angestichelt hatte auch einmal ein Haus in einer reicheren Gegend aufzusuchen. Letztlich bleibt jedoch alle Schuld bei Zuschauer hängen. Dieser wäre im Falle der Authentizität des Films der jenige, für dessen Gier nach Sensation und Mord all dies geschehen würde. Dass Filmteam, dass anfängt sich mit schuldig zu machen ist also gleich zusetzten mit dem Zuschauer, der allein durchs betrachten mitschuldig wird. Der Film benutzt den Dokumentarstill ähnlich radikal wie Cannibal Holocaust, verzichtet aber auf übertrieben Splatterszenen. Die Gewaltszenen (von denen es reichlich gibt) wirken aber auf Grund des kühlen schwarz weiß zwar weniger reißerisch aber dafür weitaus realer.