Die fetten Jahre sind vorbei

Der Gedanke, dass jemand fremdes während man selbst im Urlaub oder anderweitig außer Haus ist, in eben dieses einbricht ist nun wirklich nicht gerade schön. Aber eben eine solche Szenerie bildet den Einstieg zu die fetten Jahre sind vorbei. Doch die heimkehrende Familie bemerkt schnell, dass es sich bei den Einbrechern nicht um normale Diebe handelt. Es fehlt nämlich nichts im Haus. Die Möbel wurden lediglich umgestellt, die wertvollen Porzellansoldaten im Klo versenkt und die Stereoanlage im Kühlschrank deponiert. Wer so einen Scheiß macht und dann auch noch einen Brief mit dem Inhalt „Die fetten Jahre sind vorbei“ im Haus hinterlässt erfährt der Zuschauer jedoch recht schnell. Es ist das Werk von Peter und Jan, zwei unverbesserlichen Weltverbesserern. Wenn diese nicht gerade in Villen einbrechen und dort für Chaos sorgen, versuchen sie die Arbeitsplätze von Kindern in der dritten Welt zu zerstören indem sie versuchen die Leute davon zu überzeugen nicht die von ihnen gefertigten Markensportschuhe zu kaufen. Naja, wenn man sonst nichts besseres zu tun hat ist das ja auch ihr gutes recht. Dritte im Bunde ist Jule, Peters Freundin. Diese ist gerade zu ihm gezogen, da sie aus ihrer Wohnung geflogen ist. Jule hat nämlich ein kleines Geldproblem, da sie einem reichen Bonzen 100.000 Euro schuldet, da sie schuld an einem Unfall mit dessen Wagen war. Als Peter dann nach Spanien fliegt und Jule nicht mitkommen kann, da sie noch ihre alte Wohnung renovieren muss, kommen sich Jan und sie näher. Nachdem die Wohnung jedoch eher verwüstet wurde und Jule ihren Job in einem Nobelrestaurant verloren hat nimmt er sie mit auf eine kleine Observationstour um neue Villen auszukundschaften. Dabei landen sie irgendwie in der Villa von Hadenberg, der reichen Bonzen dem Jule das Geld schuldet. Dummerweise werden sie später von eben diesem überrascht und entführen ihn spontan mit Peters Hilfe in eine kleine Hütte in den Alpen.

„Wer unter 30 nicht links ist hat kein Herz und wer mit über 30 immer noch links ist hat keinen Verstand!“ Mit diesem Satz von Hardenberg kann man den Film am besten beschreiben. Es geht um diese jungen Menschen die meinen noch Ideale zu haben und von sich und ihrer Sache überzeugt zu seien scheinen. Sie glauben an das was sie tun und möchten die Welt verbessern. Aber mit der Entführung Hardenbergs werden die drei zurück in die Realität geschleudert. Dieses Verbrechen verstößt sogar gegen ihren linken Codex, aber sorgt letzen Endes doch für Einsicht bei ihnen. Als Langsam durchsickert, dass Hardenberg auch mal Ideale hatte und genau wie seine ganze Generation ein kleiner Revoluzzer war, beginnen Peter, Jan und Jule über das was sie tun nachzudenken. Dabei wird aber schnell klar, dass Hardenberg ihnen als gescheiterter Linker überlegen ist. Er argumentiert sie einfach mit allem was er sagt zu Boden und ist spätestens ab dem Augenblick, an dem er quasi die Führung in der Gruppe übernimmt, indem er vor einem Wanderer Jan als seinen Sohn ausgibt das Maas aller Dinge. Als schöne Metapher für den Verrat der Ideale kann man zudem die Tatsache sehen, dass Jan und Jule am Ende doch hinter Peters Rücken zusammenkommen. Wobei es überaus amüsant ist, dass Hardenberg in diesem Zusammenhang von freier Liebe spricht; ein Begriff mit dem Peter nun mal gar nichts anfangen kann. Das sich Jan und Jule verlieben würden und das Peter Jule nicht wirklich liebt stand zwar vom Anfang des Films an fest, aber das dieses hinter seinem Rücke geschieht ist genau so eine Form von Doppelmoral wie Hardenbergs Einstellung. Genau diese ist auch am Ende das größte Ergebnis des Films. Ihm nimmt man nämlich eigentlich ab, dass er wirklich aus seiner Entführung etwas gelernt hat und dass die Erinnerung an seine alten Tage wirklich etwas in ihm bewegt hat. Dass er am Ende trotz der Verbundenheit zu seinen Entführern (Stockholm-Syndrom hin oder her), diese anzeigt passt einfach nicht und macht eher den Eindruck als habe man versucht auf Teufel komm raus noch politisch korrekt zu sein. Ich persönlich hätte mir ein Ende gewünscht in dem man nach einem Zeitsprung von 30 Jahren sehen würde, dass die drei Rebellen nun ebenfalls Spießer geworden sind und ihre Ideale verkauft haben. Aber der Film wollte uns wohl die Illusion nicht nehmen, dass es tatsächlich so was wie Ideale gibt und das es sich lohnt an diese zu glauben!

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